Mindo


Mindo befindet sich etwa 130 km westlich von Quito auf etwa 600 m Seehöhe und die Fahrt dorthin ist schon sehenswert, denn innerhalb etwa 1 Stunde ändert sich die Vegetation komplett. Schon kurz nach Verlassen der Stadt ging es stetig bergab. Die Berglandvegetation begleitete uns nur noch ein kleines Stück des Weges, dann wurden die Bäume immer höher, Farne am Wegesrand tauchten auf, später kleine Palmen. Der uns schon bekannte Nebelwald kam zum Vorschein, stark mit Epiphyten bewachsene Bäume, kleine Wasserfälle am Wegesrand und nach kurzem auch Bananenstauden und Lianen sowie Orchideen am Straßenrand. Wenig Verkehr ließ uns Mindo im lockeren, weil bewohnten Dschungelwald nach 1,5 Stunden erreichen und wir machten uns auf das Canopygelände zu suchen. An diesem Tag hatte es zuvor heftig geregnet und es war sehr schwül und warm. Das brachte die Stechmücken auf den Plan. So juckende Stiche hatte ich noch selten verspürt und selbst im Dschungel hatte ich bisher nichts abgekriegt, aber hier waren die Gelsen Weltmeister.

Wir nahmen zwar zuerst eine falsche Matschstraße, aber das machte nichts, denn die kurze und langsame Fahrt (wegen schlechter Straße) führte uns durch einen interessanten Wald mit Beerenbüschen am Straßenrand, die wir plünderten, nachdem wir uns bei einem vorbeigehenden Einheimischen informiert hatten, daß diese essbar sind, er aß uns sogar einige vor.


Erdbeere? Brombeere? Himbeere?

Wir entdeckten auch eine bananenstaudenartige rote Blume, die sich als kleines, rotes Bananenbüschel entpuppte. Einige schienen schon reif zu sein, weil sie sich an der Spitze bereits geöffnet hatten und wir beschlossen, sie mal zu probieren. Sie schmeckten auch nach Banane, hatten allerdings viele stecknadelkopfgroße, harte und schwarze Samen. Ein Mann am Wegesrand, der sich aufgrund seines Akzentes als Deutscher entpuppte und zufällig in der Gegend wohnt und den wir nach dem Weg fragten, erklärte uns auf die Frage nach der roten Banane, dass es sich hierbei um die Urbanane handelt, die von vielen als Zierpflanze auch im Garten gepflanzt wird.


Wildbanane

Dieser Mann schickte uns dann auch auf den richtigen Weg und wir sahen uns zuerst die Schmetterlingsfarm an, die in die gleiche Richtung lag.
In einem großen, zeltartigen, mit einem Netz überspannten, aber luftoffenem Raum hängen in einem Kasten die Puppen verschiedener einheimischer Arten, die der Reihe nach schlüpften und in diesem Raum herumflogen und zu besichtigen waren. Die Größen waren die Eulenfalter, die sich an Bananen gütlich taten und wunderschöne blauschillernde Schmetterlinge. Auch die kleineren Arten bestachen durch ihre Farbenvielfalt und ließen sich gerne fotografieren.







Draußen hingen runde Gefäße mit Zuckersaft und die fettesten Kolibiris die ich je gesehen hatte, hingen in Trauben daran und ließen es sich schmecken.


Danach fuhren wir den Matschweg ein Stückchen weiter, bis wir das Canopy-Gelände erreichten. Die Firma, die dieses Schweben über den Bäumen ermöglicht, stattete uns mit einem Sitzgeschirr aus, an dem ein großer Karabiner und ein Sicherungsseil befestigt waren. Ein dicker Lederhandschuh zum Stabilisieren am Seil und zum eventuellen Bremsen rundete die Ausstattung ab. Dann ging es los auf die Plattform hinauf, von der es über 13 Seile auf einer Strecke von insgesamt 3.500 m kreuz und quer über die Bäume hinweg zu gleiten gilt. Nach einer kurzen Instruktion fuhr der eine der zwei uns begleitenden Burschen das erste Seil entlang. Danach folgten meine Tochter und ich. Das war ein Spaß! Und diese Aussicht über das ganze Tal hinweg! Über die Bäume ging die Fahrt aus einer Perspektive die sonst nur Vögeln vorbehalten ist, vorbei an Baumriesen voller Orchideen, über Bäche und Urwald. Nach Ankunft auf der Plattform auf der anderen Seite, liefen wir ein Stückchen durch den Wald aufwärts zur nächsten Plattform und zick, zack, nach 12 weiteren Fahrten erreichten wir wieder den Ausgangspunkt. Es war ein tolles Erlebnis, das jedem zu empfehlen ist, nur schwindelfrei sollte man sein.


Bereit zur Abfahrt


Auf dem Weg über den Wald


Bau im Wald mit Epiphyten

In Mindo-Dorf aßen wir in einem netten Restaurant eine gebratene Forelle, die wir uns auch an anderen Orten immer gerne bestellt haben wenn sie auf der Karte stand, denn die schmeckte jedes Mal gut.


Restaurant mit herausnehmbarer Plankentüre – hier haben wir nicht gegessen



Mindo – Hauptstraße



Haus in Mindo

Am Rückweg nach Quito wiederholte sich der Vegetationswechsel diesmal von der anderen Seite.
Weil noch Zeit vor Einbruch der Dunkelheit war, begaben wir uns auf die andere Seite der Stadt in den hübschen Vorort Guápulo, der an einem Abhang unterhalb von Quito liegt und dessen gepflasterte Straßen links und rechts von gepflegten kleinen Häusern gesäumt werden. Auf dem Hauptplatz befindet sich eine Kirche im Kolonialstil, die lange eine Pilgerkirche war, und davor eine Statue von Francisco de Orellana, der von hier aus seine Expedition Richtung Amazonas startete und der den Amazonas entdeckte. (Als ob der vorher nicht auch schon dagewesen wäre.) Wenn es nicht nebelig gewesen wäre, hätte man von hier aus auch einen tollen Ausblick ins Cumbayá-Tal, das wir aber einen Tag später mit dem Bus durchqueren sollten.


Kirche Guapulo



Francisco von Orellana Denkmal gegenüber der Kirche


Tena - Dschungel - Papallacta