Tena - Dschungel -
Papallacta


Weil das Ende des Urlaubes immer näher rückte, wollten wir uns zum Abschluss etwas Besonderes gönnen und beschlossen, noch einmal in den Dschungel zu fahren und diesmal zwei Nächte direkt im Wald zu verbringen, damit wir einen noch besseren Eindruck bekommen würden. Früh am Morgen winkten wir dem nunmehr schon vertrauten Stinke-Bus vor unserem Haus und fuhren zum Terminal Süd. Dort fing uns schon in der Halle einer der Buskassiere ab, der noch Passagiere für seinen zufällig in unsere Richtung fahrenden Bus suchte und 5 Minuten später saßen wir im Bus Richtung Tena.
Dieser Bus war einmal eine Überraschung! Haarneu, mit funktionierender Klimaanlage, tadellos sauberen Sitzen, sogar mit einer Toilette an Bord (die aber, um sie zu schonen, nicht benutzt werden durfte) und 2 funktionierenden Fernsehern, auf denen später eine Klamotte aus Mexiko im Stil der Bud Spencer-Filme gezeigt wurde. (Eine Ausnahme, denn wenn ein Film in einem Bus gezeigt wird, handelt es sich meistens um eine Gewaltorgie oder einen Sexfilm im schlimmsten Stil und das bei vielen mitfahrenden minderjährigen Kindern.) Außerdem hatten wir eine Gratisreiseführung dabei, denn in dem Bus war auch eine Gruppe amerikanischer Touristen mit ihrem einheimischen Reiseführer, der die Strecke erklärte und was es zu sehen gäbe. Komisch, dass wir uns in diesem schönen Bus umgeben nur von Ausländern ganz fremd fühlten. Interessanterweise fühlt man sich in einem dreckigen Bus voller Einheimischer viel integrierter.
Es dauerte eine Stunde beim heftigen Morgenverkehr bis wir aus der Stadt draußen waren und eine weitere Stunde durch das Cumbayá-Tal, in dem sich die „bessere“ Gegend der Stadt mit neuen Häusern und Einkaufszentren befindet. Dann begann unbewohntes, hügeliges Bergland mit großen Grasbüscheln so weit das Auge reichte. Der Bus kletterte in Serpentinen über mehrere Bergzüge hinauf und hinunter, begleitet von kleinen Wasserfällen und Bächen an den Straßenseiten. Die Sonne schien und auf halbem Weg zeigte sich der Vulkan Antisana in voller Pracht mit einem blitzend weißen Schneehäubchen. Bei einem See vorbei erreichten wir nach ca. 3 Stunden Papallacta, eine Therme im Hochland (3300 m), der wir auf dem Rückweg einen Besuch abstatten wollten.


Landschaft vor Papallacta Richtung Tena



Vulkan Antisana

Nach Papallacta ging es steil bergab, die Bäume wurden wieder höher, der Wald wieder wildnisartiger mit hohen Bambusbüscheln und durch ein Tal mit Steilwiesen, auf denen dicke Kühe grasten, erreichten wir nach einem kurzen Aufenthalt bei einer Tankstelle mit Essens- und Klopause die Kleinstadt Tena – wir waren wieder bei einem Tor zum Urwald angekommen.
Schnurstracks marschierten wir in eines der kleinen Reisebüros und sahen zu unserem Erstaunen die österreichische Flagge an der Wand hängen. Wir werteten das als glücklichen Zufall und fanden heraus, dass die Besitzerin aus Tirol zusammen mit ihrem einheimischen Ehemann ein kleines Dschungelhotel anbot. Ganz billig war es nicht, aber der ausgedruckte Prospekt versprach Swimmingpool, internationale Küche und eine einmalige Lage im Wald.
In einer Stunde sollte es losgehen, in der Zwischenzeit sahen wir uns ein wenig im Ort um, der recht geschäftig ist. In der Ortsmitte fließen zwei kleine Flüsse zusammen, die an ebendieser Stelle von einer eisernen Fußgängerbrücke überquert werden. Im Fluss und auf den darin im Uferbereich gelegenen runden Steinen wird auch heute noch Wäsche gewaschen. In Tena befindet sich auch ein für die Gegend wichtiges Krankenhaus und die Stadt ist als „Zimtstadt“ bekannt. Als wir eine Stunde später in den staubigen, klapprigen Jeep stiegen der uns in den Wald bringen sollte, kamen erste Zweifel auf, denn bis jetzt hatten wir noch kein Zimmer gemietet und bezahlt bevor wir es gesehen und geprüft hatten, aber wir wollten uns überraschen lassen. Nach einer halben Stunde Fahrt endete die Asphaltstraße.


Urwald

An dieser Stelle entsteht derzeit einer der größten Flughäfen Ecuadors mit einer längeren Landebahn als Quito. Bei den Einheimischen ist das umstritten, denn einige sehen zwar diesen Flughafen als Jobmotor an, aber in Wirklichkeit dient dieser Flughafen der Erdölindustrie, damit der Dschungel noch effektiver ausgebeutet werden kann und ob das den Einheimischen zugute kommt, darf bezweifelt werden. Diese Erdölfirmen, die derzeit schon tief im Wald tätig sind, ebnen und richten die Straßen in den Dschungel alle 3 Monate um die Fahrten mit den Öltransportern für sich bequemer zu machen. Die Anwohner freuen sich, weil sie von den besseren Straßen profitieren, aber ob alle begreifen, was das zu bedeuten hat? Noch etwa 15 Minuten auf einer Staubstraße und wir hatten das Hotel neben einer Indiosiedlung erreicht. Leider wurden unsere Zweifel jetzt bestätigt, denn das Hotel war erst zur Hälfte fertig, der Swimmingpool zwar schon gekachelt, aber ohne Wasser und wir waren die einzigen Gäste. Daher war auch das Restaurant nicht in Betrieb und die Chefin bastelte ein Abendessen aus mitgebrachten Zutaten zusammen.


Webervögel

Wir hatten uns keinen Luxus erwartet, denn den kann man in so einem Land, vor allem im Wald nicht erwarten, aber bei einem Preis, der mehr als doppelt so hoch wie für ein anständiges Hotel in der Stadt ist, hätten wir schon wenigstens mehr als eine Baustelle erwartet. Vorerst machten wir noch gute Miene zum bösen Spiel und sahen uns bei einem Spaziergang in der näheren Umgebung um. Vor dem Haus steht ein hoher Baum, auf dem einige Webervögel ihre kunstvollen Hängenester aufgehängt haben, die keulenförmig herunterhängen. Bei Einbruch der Dunkelheit aßen wir einsam und allein ein Hühnerschnitzel mit Grünbananenchips, nur beobachtet von den 3 Hunden des Besitzers, die auch scharf auf ein Häppchen waren. Danach wurden wir uns selbst überlassen und nachdem im Finsteren nicht viel zu tun war, gingen wir in unser Zimmer, in dem noch von den Vormietern (einer Gruppe von einer Ölfirma) 3 Stockbetten standen.
Bald bemerkten wir, dass aus der Dusche kein warmes Wasser kommen wird und nachdem uns auch noch der Duschvorhang auf den Kopf gefallen war, gingen wir zu Bett. Wir waren vorher nicht auf die Idee gekommen die Betten zu prüfen, denn bis jetzt war noch in jedem Haus wo wir abgestiegen waren alles in Ordnung gewesen, aber mit Schrecken mussten wir feststellen, dass die Betten nicht mal frisch überzogen waren und die Kopfpolster nicht gut rochen, weil sie offenbar auch schon länger nicht überzogen worden waren. Wir suchten uns dann von den 6 vorhandenen Polstern die besten aus und legten ein Handtuch darüber und wickelten uns zum Schlafen in ein mitgebrachtes Tuch ein. Wenigstens die Fliegengitter waren dicht und wir wurden nicht von Insekten belästigt. Der kleine Skorpion, der an der Wand saß, war kaum der Rede, sondern nur ein Foto wert.


Nach einer einigermaßen gut durchschlafenen Nacht beschwerten wir uns und sagten, dass wir die zweite Nacht hier nicht verbringen wollten. Die zwei mitbezahlten Ausflüge in eine Tierstation und ins Indianermuseum wollten wir aber schon konsumieren und daher setzten wir für den Moment nochmals freundliche Nüstern auf.


Indiosiedlung

Gleich nach dem Frühstück fuhren wir die Straße in den Wald noch ein Stück weiter bis zu einer Anlagestelle am Fluss Napo. Von dort aus brachte uns ein Bootsmann in einem Holzkanu zu einer Tierstation, in der Tiere wie in vielen anderen Freiwilligenorganisationen zur Auswilderung vorbereitet und betreut werden. Das Eintrittsgeld zu einem kleinen Zoo der Tiere, die sich schon zu sehr an Menschen gewöhnt haben und daher bleiben müssen, finanziert diese Aufgabe. Freiwillige aus der ganzen Welt helfen und wohnen hier monatelang auf eigene Kosten und leisten eine wertvolle Aufgabe in der Konservierung und dem Schutz des Waldes. Das Gelände befindet sich im Sekundärurwald, also einer ehemaligen, unrentabel gewordenen Plantage, die jetzt langsam wieder zuwuchert und als Lebensraum für die Tiere zurückgewonnen wird.


Mit dem Kanu auf dem Weg zum Zoo

Nach der Rückfahrt gab es Mittagessen und nach einem kurzen Aufenthalt auf einer Kakaoplantage besichtigten wir ein Indianermuseum, wo unser Führer uns verschiedene Modelle von Fallen in Wald vorführte, die dem Stamm früher Fleisch verschafften. Einige Kultgegenstände und Heilsteine, etwa ein herzförmiger Stein gegen Herzbeschwerden, waren zu besichtigen sowie Musikinstrumente wie etwa der leere Panzer einer Schildkröte, auf den mit einem Stock geschlagen wird oder ein Bambusrohrstück gefüllt mit kleinen Samen, die klappern. Dann sang er uns ein selbstkomponiertes Lied vor.


Falle

Im Garten wachsen einige Heilpflanzen die er uns erklärte, wichtig vor allem ein Baum, der ein rotes Harz absondert, „Sangre de Drago“, auf Deutsch „Drachenblut“, ein Wolfsmilchgewächs. Der dickflüssige Rindensaft wird auf die offene Wunde gestrichen. Nach kurzer Zeit ist er getrocknet und schützt einerseits die Wunde durch seine antiseptischen Wirkstoffe vor Infektionen wie ein Pflaster. In geringen Mengen eingenommen, gilt er auch als Mittel gegen Magengeschwüre. Viele dieser Substanzen finden auch in der modernen Medizin ihren Einsatz.


frühere Kleidung

Einige Haustiere, unter anderen freifliegende Amazonaspapageien, ein Ozelot, ein Kaiman in einem Teich mit Tilapiafischen,die ein Großteil seiner Nahrung sind und ein Äffchen, das sich von den Besuchern gerne herumtragen lässt und dann nicht mehr runterwill, sorgten unsererseits für Entzücken. Am Fluß Napo konnten wir einige Goldwäscher bei der Arbeit beobachten.


Der wäre glatt mitgegangen


Goldwäscher bei der Arbeit

Auf einem freien Platz trockneten in der heißen Tropensonne Kakaobohnen und wir nahmen uns eine ganze Schote samt Bohnen mit, weil wir dachten, Schokolade zu machen kann doch nicht so schwer sein. Das Fruchtfleisch, das um die Kakaobohnen liegt, riecht und schmeckt leicht zitronig und kann gegessen werden, wenngleich es auch kein richtiger Gaumenschmaus ist.
Im Internet haben wir dann nachgelesen, was alles nötig ist um Schokolade herzustellen. Ich denke, wir überlassen es doch lieber den bekannten Herstellern, denn der Prozess ist recht umständlich und langwierig. Gekostet haben wir die rohen Bohnen und da ist mir eine Tafel fertige Schokolade allemal lieber.

Nach diesem letzten Programmpunkt wurden wir nach Tena zurückgebracht und nach Rückzahlung eines kleinen Betrages für die zweite Nacht entlassen. Auf den Schreck hinauf suchten wir erstmal eine Saftbar auf um uns einen Tropencocktail zu gönnen und danach fanden wir ein nettes Hotel, das sauber und freundlich war und warmes Wasser zur Verfügung hatte. Sogar eine Klimaanlage war vorhanden und das um einen Bruchteil des Preises des Vortages.
Wir vertieften den vortags bereits absolvierten Stadtrundgang und drangen über die eiserne Fußgängerbrücke auf die andere Seite des Flusses vor. In einem kleinen Park standen die überlebensgroßen Statuen von einer Indiofamilie mit liebevollen Details verziert und in den Bäumen beobachteten wir wieder allerlei exotische Vögel.


Indiostatuen im Park

In einem kleinen Laden kauften wir uns orangefärbige Bananen, die zu den besten gehörten, die ich jemals gegessen habe, sie waren einzigartig fruchtig. Als es dunkel wurde, gingen wir zum Hotel zurück. In einer Seitenstraße sahen wir ein beleuchtetes Gebäude und dachten, dass es sich um eine Disko handelt, dabei war es nur das bunt beleuchtete Portal einer Kirche.
Vor dem Supermarkt standen Plastikstühle, in die sich jedermann setzen und etwaige gekaufte Kleinigkeiten knabbern konnte. Unser Favorit war „Papipollo“, ein Stück Brathuhn mit Pommes und ein gebratener Maiskolben. Danach lutschten wir ein paar kleine Quetschmangos aus. Von unserem Sitzplatz aus konnten wir eine ambulante Apotheke beobachten, von der Art, wie man sie in allen Städten und auch vielen Orten findet. Wenn man Bauchweh hat oder Fieber, geht man hin, beschreibt seine Probleme und der „Apotheker“ misst aus seinen Substanzen, die in Reih und Glied in Flaschen am Schiebewagen stehen, eine Menge ins Glas, gibt einen Schluck Wasser drauf und schon ist die Medizin fertig. Die wird dann an Ort und Stelle getrunken und vorbei ist’ s Bauchiweh. Oder auch nicht, wir hatten keinen Bedarf und konnten daher nicht die Probe aufs Exempel machen


Ambulante Apotheke mit Aufschrift: „Wässerchen des Lebens“


Weitere Wundermittel“apotheke“

In den Geschäften war noch mächtig viel los, denn es war warm (28 ° C) und der Vollmond stand am Himmel. Auf dem Heimweg zum Hotel schauten wir beim Busterminal vorbei, wann am nächsten Morgen die Busse nach Papallacta fahren würden. Wir entschieden uns für den Bus um 8 Uhr und gingen ins Zimmer. Die warme Dusche war eine Wohltat, im Badezimmer waren nur Milchglasfenster bis zu einer Höhe von 2 Metern, dann fehlten die Scheiben komplett, aber dort ist es nie kalt, daher regt sich keiner darüber auf.


Pünktlich um 8 Uhr fuhr der Bus von Tena los und wir erreichten nach 2 Stunden die Provinzgrenze an einer wichtigen Straßengabelung. Dort war gerade Aktion Scharf durch die Drogenpolizei angesagt. Wir mussten alle samt Gepäck aussteigen und dann sollten die Rucksäcke und Taschen aller Passagiere durchsucht werden. Ein Polizist stieg in den Bus und achtete darauf, dass auch keiner drinbleibt. Dann begann das große Kramen. Weil aber nach 3 Rucksäcken nichts gefunden wurde, verloren die Herren anscheinend das Interesse und alle durften wieder einsteigen. Die Reise ging weiter durch das Land der Flüsschen, Brücken und Forellenzuchtbecken bis wir nach einer weiteren Stunde bei der Kreuzung nach Papallacta ankamen und ausstiegen. Bis zur Therme sind es von dort 2,5 km, aber weil die Sonne so schön schien, gingen wir zu Fuß, obwohl an der Kreuzung private Pick-ups standen, die die Leute um 2 Dollar den Berg hoch bis zum Eingang bringen. Wir merkten sofort den Unterschied in der Seehöhe. Nach 500 m in Tena befanden wir uns hier wieder in ca. 3000 m Seehöhe und das äußerte sich in Kurzatmigkeit. Doch quer durch eine almartige Berglandschaft mit blühenden Engelstrompeten und Fuchsienbäumen am Wegesrand, vorbei an gutgenährten Kühen und der Aussicht auf ein heißes Bad (die Temperatur betrug nur etwa 15 ° C), war der Spaziergang wunderschön.


Die Thermengebäude selbst sind mitten in die Landschaft gebaut und ein angeschlossenes Hotel mit Spabereich komplettiert das Angebot. Witzig ist die Kassa im Eintrittsbereich: durch ein fußballgroßes Loch wechseln Geld und Eintrittskarten die Besitzer. Mit der Tageskarte um 7 Dollar kann man das Gelände auch verlassen, denn bis auf ein sündteures Restaurant im Bad befinden sich alle Esslokale draußen vor der Therme.
Wir mieteten uns Handtücher und bekamen einen Kästchenschlüssel. Die Kästchen befinden sich unter einem Grasdach im Freien, die Umkleidekabinen und Toiletten in einem Haus. Umgezogen waren wir schnell und stopften unsere Rucksäcke in das Kästchen, das ob unseres Gepäcks kaum zuging. Dann schnappten wir uns einen der Weidenkörbe die parat stehen, um Handtücher, Sonnencreme und sonstiges Zeug, das man so beim Schwimmbecken braucht, herumzutransportieren. Zuerst inspizierten wir das Gelände – es gibt über 15 kleine, mittlere und auch große Becken in den verschiedenen Temperaturstufen. Zwischen den Becken sind gepflegte Blumenbeete und rundherum ein Garten mit blühenden Bäumen angelegt, in denen Kolibris herumschwirren. Hinter dem letzten Becken fließt ein eiskalter Gebirgsbach vorbei, in dem man auch baden kann. Eines der größeren Becken hat einen Überlauf, der ein Stück weiter unten in 2 Düsen in einer aus Stein geformten Grotte als warmer Guss auf die Schultern fließt und danach durch ein großes, rundes Loch direkt in den Bach. Wenn man da nicht aufpasst und ausrutscht, ist man weg.


Bevor wir ins Wasser gingen und uns nass machten, zogen wir nochmal schnell was über und gingen essen. Nachdem es in der Gegend eine florierende Forellenzucht gibt, vertrauten wir wieder einmal auf dieses Gericht und wurden nicht enttäuscht. Nach dieser leichten Mahlzeit ließen wir uns endlich ins warme Wasser gleiten und genossen den Badespass, bis nach kurzer Zeit der erste Donnerschlag durchs Tal hallte. Rasch zog ein Gewitter auf und es begann zu regnen. Warmes Wasser von unten und kaltes von oben, war nicht so unser Geschmack und daher gingen wir in die Grotte, in der 2 Plastikstühle standen und ließen uns das Wasser auf den Kopf und die Schultern prasseln.

Der Regen wollte nicht aufgeben und das Gewitter zog in dem Talkessel herum. Erst nach einer halben Stunde wurde der Regen weniger und wir kamen aus der Grotte heraus. Unseren Weidenkorb hatten wir unters Grasdach gestellt gehabt, was ein Fehler war, denn das war nicht dicht. Wenigstens die Kästchen haben der Nässe getrotzt und deshalb duschten wir, zogen uns rasch an und machten uns auf den Weg zum Bus retour nach Quito. Die Regenjacken hatten wir zwar an, aber wenn man ein Taxi braucht, kommt natürlich keines daher und die anderen Autos die wir versuchten aufzuhalten, wollten wohl keine nassen Mäuse mitnehmen. Also liefen wir die Strecke so rasch wir konnten den Berg hinunter zur Haltestelle, wo wir auf den Bus warteten. Klarerweise ist dort nicht angeschrieben, wann denn ein Bus kommt und wie schon erwartet, konnte auch keiner der anderen Wartenden eine Auskunft geben. Wir erinnerten uns, dass wir in Tena gelesen hatten, dass um 13 Uhr ein Bus von dort wegfahren sollte und nachdem wir 3 Stunden gebraucht haben um von dort zu diesem Punkt zu gelangen, erwarteten wir den Bus um etwa 16 Uhr. Um 16.20 Uhr näherte sich dann wirklich ein Bus und wir machten uns bereit, denn man muss schnell sein um hinein und zu einem freien Platz zu gelangen. Das schafften wir auch mit Bravour und erkämpften uns den letzten freien Platz ganz hinten. Dann hatte eine Frau Erbarmen und nahm ihr Kleinkind auf den Arm und wir bekamen noch einen 2. Sitzplatz. Dieser war zwar bedeckt mit Bröseln und einem vom Kind zerfetzten Taschentuch, aber egal, es war schön warm im Bus und bis Quito waren wir getrocknet.

Der folgende Tag verlief wieder ruhig mit Spaziergängen im Park und in der Stadt, wir erledigten noch letzte Souvenireinkäufe und gingen mittags in ein kleines Restaurant einer Kette, die mehrere Filialen in der Stadt hat, essen. Dort wird zwar einheimisches Essen gekocht, aber auf etwas höherem Niveau. Wenn wir das schon am Anfang gewusst hätten! Aber so geht es einem fast in jedem Urlaub, am Ende ist man meist (oder fast immer) gescheiter.


Alameda Park

Für abends wollten wir eine Joghurt-Biskottenterrine mit Mango als Überraschung basteln, machten uns aber Sorgen, wie wir das Schlagobers schlagen sollten, denn es war im ganzen Haus bei keinem Mieter ein Quirler zu finden. Da bin ich einfach in die Küche der Familie marschiert und habe nach einem Quirler gefragt. Oh Wunder, es war sogar ein elektrischer Mixer da, nur die Schläger waren nicht aufzufinden. Lange wurde herum gekramt, bis in einem Kästchen einer auftauchte, der zweite war leider unauffindbar, obwohl lange hin- und herüberlegt wurde, ob er vor einem Jahr noch da war oder nicht. Jetzt weiß ich, ein Mixer funktioniert auch mit einem Schläger, es dauert nur etwas länger und die Terrine schmeckte wunderbar. Danach gab es eine Salsalektion, denn meine Tochter meint, ohne Salsatanzen gewesen zu sein, dürfte ich Südamerika nicht verlassen. Also musste ich antreten beim Herrn Lehrer, ihrem Freund, der Schritt war auch gar nicht schwierig. Das wurde er erst, als die Musik dazu einsetzte. Dann war es auch schon Zeit uns schön zu machen und gleich danach fuhren wir mit dem Taxi in eine Salsathek. Es handelte sich hier um ein nettes Lokal ohne Tanzfläche, aber fürchterlich laut. Eine Liveband spielte sich die Seele aus dem Leib. Die Frage wo die Leute tanzen sollten stellte sich gar nicht, denn innerhalb kürzester Zeit tanzten alle zwischen den Tischen und Gängen. Hier wird wirklich noch Paartanz praktiziert und die Kinder wachsen mit diesem Tanz auf. Ich hoppelte auch brav mit und hoffe, nicht eine zu doofe Nummer geboten zu haben.
Mit dem Eintrittspreis ist auch das erste Getränk inkludiert und das, was ich bekam, schmeckte ähnlich wie ein Ginfizz. Es schien das Modegetränk zu sein, denn fast alle anderen bestellten das Gleiche. Etwas später trafen ein paar Freunde meiner Tochter ein, leider konnte man sich nicht unterhalten, weil die Musik irre laut war. Unter Freunden ist es üblich, dass ein Glas herumgeht und jeder aus dem gleichen Glas trinkt, bis eines leer ist und dann das nächste Glas dran ist. Das hat den Vorteil, dass die Getränke, die voller Eiswürfel sind, kalt bleiben. Auch auf der Straße kann man immer wieder beobachten, dass wenn sich die Stundenten an der Ecke treffen und unterhalten und ein Bier aus einem niemals weit entfernten Geschäft holen, sie eine Flasche zusammen austrinken, bevor sie sich die nächste holen.
Als kurz nach Mitternacht die Liveband zu spielen aufhörte, machten wir uns auf den Heimweg. Meine Ohren klingelten und selbst am nächsten Tag war ich noch halbtaub, aber es war ein Erlebnis.

Der letzte Tag war gekommen und noch einmal gingen wir in der Stadt spazieren. Diesmal kamen wir beim Museum für Moderne Kunst vorbei. Der Eintritt war gratis, das Gebäude wurde voriges Jahr zur 200-Jahr-Feier komplett renoviert. Die Ausstellungsstücke sind in verschiedenen Sälen aufgeteilt und wenn man eintritt, wird man streng darauf verwiesen, dass die Sachen von rechts nach links in der richtigen Reihenfolge zu besichtigen sind. In einem Saal fand gerade eine Führung statt, in der die Kunstwerke erklärt wurden. War auch notwendig, denn mit moderner Kunst kann ich meist gar nichts anfangen. Selbst nach der Erklärung ging mir der Sinn nicht auf, aber das hat moderne Kunst halt so manchmal an sich. MIR sind stinknormale Bilder, auf denen man erkennen kann, was sich abspielt, lieber.


Museum für Moderne Kunst

Dann war die Stunde des Abschieds gekommen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sagte ich Adieu zu einem Ort, der wunderschön ist und jedem etwas zu bieten hat, aber zu Hause ist zu Hause. Jetzt würde ich wieder in das Land zurückkehren, wo das warme Wasser immer funktioniert, wo das Essen schmeckt und wo die Familie wohnt. Zurücklassen musste ich ein paar neugewonnene Freunde, aber mitnehmen konnte ich die Erinnerung an eine tolle Reise, die durch die Mithilfe und Ortskenntnis meiner Tochter und unserer Gastfamilie unvergesslich geworden ist.

Fotos von Pflanzen