Für den nächsten Tag hatten wir vor, nach Otavalo auf den belebten Samstagmarkt zu fahren, der alles bietet, was sich Touristen wünschen und nahmen diesmal einen anderen Weg raus aus der Stadt, durch grüne Hügel außerhalb von Quito, die später etwas felsiger wurden. Von dort aus hatten wir eine Superaussicht auf den Vulkan Cayambe mit seinem Schneehäubchen.
Vulkan Cayambe Bald hatten wir das Dorf Guayllabamba erreicht, das bekannt für schmackhafte Cherimoyas und Avocados ist. Ich kannte Cherimoyas schon von einem früheren Besuch in Kenia, hatte sie aber seit 25 Jahren nicht mehr gegessen. Da ich sie ganz toll in Erinnerung hatte, kaufte ich an einem Straßenstand einige der Früchte und wirklich: die sind die Offenbarung. Sie schmecken wie eine Mischung aus reifen Birnen gemischt mit Mango, Erdbeeren und Schlagobers. Cremig-lecker! In der Cayambe-Gegend befinden sich auch sehr viele Glashäuser, in den die Fairtrade-Rosen angebaut werden, die in Europa auf den Markt kommen. Man bekommt sie auch in Quito überall zu kaufen und vor allen Gärtnereien stand ein Schild, das versicherte, dass es sich hier um organischen, ökologischen Anbau handelt. Vor Otavalo öffnen sich die Berge und machen sanften Hügeln mit Feldern und vielen Kühen Platz. Rechterhand liegt der blaue See San Pablo mit einem gleichnamigen Dorf an der Westseite. Kurz danach sind wir auch schon in Otavalo angekommen, stellten unser Auto auf einem bewachten Parkplatz ab und schon ging es hinein ins Getümmel!
San Pablo See
Am Markt von Otavalo ![]()
Typische Otavalo-Tracht Otavalo ist die 1. Adresse für Liebhaber von Kunsthandwerk und Webereien. Es ist eines der reichsten Dörfer des Landes und das sieht man auch. Die Straßen und Häuser sind tadellos in Ordnung und die indigene Bevölkerung hat es hier zu einem bemerkenswerten Reichtum gebracht. Bei der Ortseinfahrt wird auf einem Schild darauf hingewiesen, dass es sich hier um einen Ort „frei von Analphabetismus“ handelt. Vor allem die Frauen tragen eine besondere Tracht mit bestickten Blusen und Kopfbedeckungen und wo immer man im Land und auch im Ausland auf engagierte indianische Marktfahrer trifft, sind es – meist an der Kleidung erkennbare – Otavalenios. Es gibt die ganze Woche einen ständigen Markt, aber am Samstag wachsen hunderte Stände auch in den Seitenstrassen aus dem Boden wie die Pilze und nach einer Stunde kann man einfach nicht mehr. Zu übersättigt ist man mit den T-Shirts, Alpacapullovern, Blusen, Webdecken, Ponchos, Schnitzereien usw. Falls man eine Rundreise im Land macht und nicht schwer schleppen will, kann man am Ende des Urlaubs hier alles erstehen, was man anderswo versäumt hat zu kaufen und die Preise sind heiß, noch dazu wo man erwartet, dass gehandelt wird. Wir kauften also ein was wir vorgehabt hatten und verließen dann die Stadt, um uns ein ruhiges Plätzchen zum Mittagessen zu suchen. Das fanden wir auch bei der Lagune von Cuicocha, einem malerischen Kratersee mit 2 Inseln drin in den nahegelegenen Bergen. Ein kleines, tadelloses Restaurant auf einer Anhöhe bot eine leckere gegrillte Forelle mit wunderschöner Aussicht auf die Lagune. Während wir auf das Essen warteten, kam der Wirt zu uns an den Tisch und zeigte uns in einem Album Bilder der Umgebung und Fotos der schönen Blumen der Hügel ringsherum. Mit einem kleinen Boot konnte man eine Rundfahrt um die Inseln im See machen und auch ein Spazierweg führt rund um die Lagune.
Cuicocha Kratersee Solcherart gestärkt machten wir uns auf die Suche nach den Cascadas de Peguche, einem Wasserfall, der sich in der Nähe befinden sollte. Nach kurzer Orientierung am Plan fanden wir die Einfahrt durch ein Steintor zu dieser Sehenswürdigkeit und parkten uns ein. Durch eine hübsche Gasse mit Geschäften erreichten wir das Besucherzentrum, wo wir um einen freiwilligen Obulus als Erhaltungsgebühr gebeten wurden und wanderten dann auf einem steingeplasterten Weg durch einen Eukalyptuswald zu den Wasserfällen. Angeschlossen ist eine Picknickwiese und ein Stückchen abwärts am Fluss ein schön angelegtes Plantschbecken.
Gepflasterter Weg zum Wasserfall durch einen Eukalyptuswald Der Wasserfall selbst stürzt etwa 30 m tief eine grün bewachsene Wand herunter und rinnt von einem kleinen See weiter in den Fluss zu den Plantschbecken. Links und rechts den Hang hinauf verläuft ein kleiner Weg im Wald zum Wasserfall. Ein wirklich gepflegter Ort, sehr sauber, auch hier merkte man, dass der Ort Peguche durch die Webereien zu einem bescheidenen Wohlstand gekommen war.
Wasserfall Peguche Auf dem Heimweg machten wir Halt im Dorf Cayambe, dessen Spezialitäten Blätterkäse (eine Art Mozzarella mit einer Käseharfe in feine Scheiben geschnitten und zusammengerollt) und nicht süße Kekse aus einer Art Buttermilchmürbteig im Holzofen gebacken sind. Diese verzehrt man in vielen Lokalen entlang der Straße zusammen mit Trinkschokolade oder sie werden als Mitnahmeartikel für Durchreisende angeboten. Da schlugen wir zu, denn die Kekse entpuppten sich als wirklich schmackhaft und reicherten auch unsere nächsten Frühstücke zusammen mit Marmelade an. QUITO Der darauffolgende Tag, ein Sonntag, war auch der Ruhetag des Friseurladens, den Nelly, die Hostelbesitzerin, im Erdgeschoß betreibt, und wir waren alle zum Essen in das Privathaus der Familie eingeladen. Um 11 Uhr fuhren wir los in den Norden, wo das Haus in einer mit einem Gittertor gesicherten Siedlung gegenüber dem Metropolitan Park (ein weiterer ganzer Hügel innerhalb Quitos) liegt. Nach einer Führung durch das Haus, die alle Hausbesitzer gerne geben, setzten wir uns zum Mittagessen, zu dem uns zu Ehren neben viel gegrilltem Fleisch, Würsten, in Butter gebratener Yamswurzel und Lupinenbohnen auch eine große Salatschüssel mit grünem Salat und Tomaten serviert wurde.
Familie Carrasco Es wurde ein netter Nachmittag und Abend mit Gesprächen über Vulkanwanderungen des Hausherrn und Erzählungen aus Österreich und von Gott und der Welt. Als es kühler wurde, wurde der offene Kamin eingeheizt und Schokolade genascht,, die wir mitgebracht hatten. Obwohl Ecuador eine Menge Kakaoplantagen besitzt, gibt es im Land keine wirklich gute Schokoladenindustrie. Und die bessere Schokolade, die in einigen Spezialitätengeschäften verkauft wird, ist 4 x so teuer wie bei uns. Gut, dass wir in Europa die Schweizer haben! Für die folgenden Tage wurden wieder Ausflugspläne gemacht und wir entschlossen uns, diesmal Richtung Westen zu fahren und zwar nach Mindo, das nicht nur wegen seiner Lage im Tropenwald sondern auch wegen seiner Schmetterlingsfarm interessant ist. Außerdem lasen wir im Reiseführer, dass man dort „Canopy“ praktiziert , also an einem Stahlseil mit Gurt und Sicherung über die Baumkronen flitzen könnte. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. |