Es war 6.30 Uhr als wir am Freitag ins Auto stiegen und uns beeilten, die Stadtgrenze zu erreichen. Viele Polizisten tun in diesen Stunden Dienst, um die Übertreter zu erwischen und mit 100 Dollar zu bestrafen. Auf unserer Strecke war nicht viel Verkehr und wir schafften es gerade, die Stadtgrenze in südlicher Richtung rechtzeitig zu überfahren. Nach etwa 45 Minuten hatten wir die Abzweigung in den Nationalpark erreicht und bogen links ab. Über eine holprige Straße erreichten wir den Eingang und marschierten zur Kassa. Man wollte uns erst nicht einlassen, weil man dachte, wir 2 Frauen wollten alleine spazierengehen. Vor einiger Zeit wurden ein paar alleingehende Touristen erst nach einer aufwendigen Suchaktion im Nebel gefunden und daher wollte man uns ohne Auto nicht einlassen. Nachdem geklärt war, daß wir samt einem Einheimischen reinfahren wollten, stand dem Abenteuer nichts mehr im Weg. Punkt 8 Uhr, zur offiziellen Öffnungszeit, durften wir uns auf den Weg machen, der uns nach etwa 10 km weiterer holperiger Staubstraße auf eine Hochebene in etwa 3900 m Seehöhe führte. Hier hatte man uns Wildpferde versprochen und wirklich, wir sahen eine kleine Herde, die friedlich graste. Nachdem uns die Tiere aber bis auf 20 m heranließen, werden sie wohl nicht so wild gewesen sein. Ein Stück weiter fanden wir die Lagune Limpiopungo, an deren Ufergräsern sich einige Kühe gütlich taten. Über die Ebene selbst huschten Möwen und andere Vögel.
Lagune Weiter fuhren wir mit dem Auto (das mir bei diesen schlechten Straßen sehr leid tat) eine zusätzliche halbe Stunde durch Grasland mit Lupinen und orangen Andenblumen bis zu einem Parkplatz in 4500 m Höhe, von dem man über ein sandiges Steinfeld die Berghütte, Ausgangspunkt für eine Gletscherwanderung, auf 4810 m erreichen kann. ![]()
Cotopaxi Es war eisig kalt, ein schneidender Wind wehte vom Schneefeld herunter und wir waren froh mit Pullover, Windjacke und Strumpfhose unter der Jean ausgerüstet zu sein. Leider hatten wir vergessen Wasser mitzunehmen und der Aufstieg machte sehr durstig, daher lechzten wir danach, endlich den Schnee zu erreichen. Nach etwa 200 erstiegenen Höhenmetern war es soweit und wir haben uns gleich einmal ein paar Schneebällchen in den Mund gesteckt. Die groben Kristalle taten gut auf der Zunge und da störten auch die paar Sandpartikel die drin steckten nicht. Sind eh nur Minerale.
Endlich am Ziel! Der Aufstieg war ganz schön anstrengend in der dünnen Luft und ich weiß gar nicht mehr wie lange wir gebraucht haben, da wir alle 10 Schritte stehen geblieben sind und nach Luft geschnappt haben. Kalt war uns dann auch nicht mehr. Endlich war die Hütte erreicht und ein Beweisfoto mit dem Namensschild geschossen. Die Hütte selbst ist recht massiv gebaut und bietet einer Menge von Bergsteigern Unterkunft und Kochmöglichkeit. So gerne ich wandere und in der Natur bin, zu wirklicher Gewaltanstrengung bin ich nicht bereit. Also genossen wir die Aussicht auf die rundum liegenden Berge und die Ebene unter uns und machten uns nach einem kurzen Aufenthalt am wohl höchsten, je von mir besuchten Punkt der Erde auf den Rückweg. Einige der mit uns gleichzeitig auf dem Parkplatz angekommenen Touristen hatten schon in der Hälfte der Strecke aufgegeben, ein anderer junger Mann kämpfte sich weiter, obwohl er nur eine kurze! Hose und ein T-Shirt trug. Kalt war ihm aber wahrscheinlich schon, weil er sich über die Hände ein weiteres Paar Schuhe gesteckt hatte. Manchen ist eben nicht zu helfen. Auf der Rückfahrt zur Hauptstraße machten wir Halt bei einem kleinen Parkmuseum, das die geologische Entstehung der nahen Berge und des Vulkans bildlich darstellte und auch einige ausgestopfte Tiere, die in dieser Gegend vorkommen zeigt, wie etwa den Páramowolf und eine Art Hirsch sowie einen Kondor. Hinter dem Museum befindet sich ein Wald, der wirklich an einen Ur-Wald erinnert. Alles ist dicht bewachsen, umgefallene Baumstämme sind vermost und morsch, kleine Löcher und Höhlen im Boden zeigen an, dass hier viele Bewohner hausen, kurz: er sieht wie ein verwunschener Hexenwald aus, der in der Nacht bzw. wenn Nebel einfällt sicher gruselig ist. ![]() Nachdem wir schon vor 16 Uhr wieder in Quito waren, besuchten wir noch den schon am Vortag von der Ferne bewunderten Itchimbia-Park. Dieser ist riesig und Wege führen in mehreren miteinander verbunden Ebenen um den Hügel und bieten einen 360 °-Blick auf die Stadt. In vielen Teilen ist der Park völlig zugewachsen und mit einem breiten Rasenmäher sind die Wege schneisenartig freigemacht. Viele Engelstrompeten und andere Blühpflanzen mit engen Trichtern bieten das ideale Futter für Kolibris. Streunerhunde ziehen durch den Park und haben sich dort ganzjährig eingemietet, belästigen aber die Besucher nicht. Vereinzelt ziehen Jogger über die Wege und auch eine Schule und ein Kindergarten befinden sich auf dem Gelände, das natürlich auch einige Spielplätze und leider etwas verwahrloste Teiche bietet, in denen wegen der zugewachsenen Wasserflächen die Fische um Atem kämpfen, aber auch viele Frösche leben, die es mit dem Atmen bekanntlich leichter haben. Der Höhepunkt im Park ist der Kristallpalast, ein aus Glas und Stahl errichtetes Kulturzentrum, von deren Aussichtsterrasse man einen tollen Ausblick auf das historische Zentrum, den Panecillo und den Vulkan Pichincha gegenüber hat.
Kristallpalast im Itchimbiapark
Blick auf die Stadt |