Das Entspannungs-Schicksal meinte es aber insofern nicht gut mit uns, weil der nächste Tag ein schöner, fast wolkenfreier Tag war und wir uns daher entschlossen, mit der Seilbahn auf den Hausberg, den Vulkan Pichincha, zu fahren. Wir mussten diese Gelegenheit nutzen, weil es nicht jeden Tag so schön und bei bewölktem Wetter keine Aussicht zu genießen war. Also raus beizeiten und gleich die erste Seilbahn genommen, was gut war, denn wenig später bewölkte es sich wieder. Wir hatten Glück und eine Gondel für uns alleine, weil noch wenige andere Touristen unterwegs waren. Bei unserer Ankunft in etwa 4000 m Höhe waren jedoch noch einige der schneebedeckten Vulkane zu sehen. Wir gingen also ein bisschen spazieren, es werden auch Pferde für einen Rundritt vermietet, wollten jedoch den Vulkan nicht weiter besteigen, denn wir hatten zu Mittag noch anderes geplant und ein ordentlicher Rundgang dauert 3 Stunden oder länger. ![]() ![]() Die Aussicht war wunderbar mit der Stadt Quito die uns zu Füßen lag und dem herrlichen Bergpanorama rundherum. Der Mensch steht halt gerne oben und schaut herunter und uns ging es genauso. Wenig später zogen wie schon erwähnt Wolken auf und wir machten uns fertig für die Rückfahrt. Wieder hatten wir eine Gondel für uns alleine und bei der Abfahrt noch einen wunderschönen Rundumblick. Mit dem Trolebus fuhren wir Richtung Hostal und nach den üblichen Vorsichtsmaßnahmen im Bus – Hände auf die Hosentaschen, Rucksack vorne tragen, auf fremde Hände an den Wertsachen achten – gab meine Tochter eine Station vor unserer Ausstiegstelle das Kommando: „Fertigmachen zum Rausdrängen!“ Gut, daß sie mir das sagte, denn bei uns ist es üblich, zuerst die Leute aussteigen zu lassen. Nicht in Quito oder anderswo in Ecuador. Sobald sich die Türen öffneten, drängten die Leute herein, sodass wir nur mit Mühe hinauskamen. Was da ein Kind macht oder ein älterer, schwächerer Mensch, kann ich nicht beantworten. Wahrscheinlich fährt der Spazieren bis zur Endstation. Zu Hause wartete der Freund meiner Tochter auf uns und brachte uns in einen Vorort im Süden der Stadt, wo er ein besonderes Restaurant kannte. Als wir ausstiegen, sahen wir sofort was dort die Spezialität war: am Spieß gebratene Mehrschweinchen. Die Tiere waren gar nicht so klein und wir bestellten 1 Schwein mit Kartoffeln und Salat zu dritt. Meerschweinchen ernähren sich wie Hasen und Kaninchen von Gemüse und Obst und schmecken daher auch nicht anders. Die Haut war knusprig wie bei einem Spanferkel, da nur die Haare mit heißem Wasser entfernt werden. Gewöhnungsbedürftig ist der Kopf der ebenfalls mitserviert wird und einen vom Teller aus angrinst. Den haben wir nicht gegessen, obwohl uns versichert wurde, dass der gerade das Beste sein soll.
Fertig machen zum Ringelspielfahren
Fertig zum Servieren Im Großen und Ganzen sind sie recht lecker, wenn auch etwas fett. Dazu gab es selbstgemachtes Maisbier, Chicha genannt, das zu diesem Zeitpunkt allerdings noch Saft war und sich erst nach einigen Tagen zu einem alkoholhältigen Bier entwickeln sollte. War nicht so mein Geschmack, aber die Bevölkerung ist ganz wild danach. Früher wurde es durch Hineinspucken fermentiert, das ist aber heutzutage nicht mehr nötig, aber wer weiß schon. Ein schönes 4-färbiges Salcedo-Eis rundete unser Mittagessen ab und wir machten uns auf den Weg zum Panecillo, einem Hügel an der Südseite der Innenstadt, der nicht als eine der sichersten Gegenden gilt. Daher fährt man dort auch nur mit dem Auto bzw. einem Taxi hinauf. ![]() Am Gipfel des Hügels befindet sich das Wahrzeichen von Quito, eine 45 m hohe im Jahre 1976 aus Aluminium errichtete Marienstatue, die auf einer Schlange steht die auf einem Globus ruht. Im Inneren des Sockels wurde eine Kapelle eingerichtet und man kann auf einer Treppe einige Meter innen hochklettern und einen Ausblick auf Quito und speziell auf das der Statue zu Füßen liegende historische Zentrum genießen. ![]() Rundherum haben sich einige Souvenirverkäufer etabliert und Anrainer des Hügels verdingen sich gegen ein Trinkgeld als Autoaufpasser. Gegenüber dem Hügel liegt auf einem weiteren Hügel der Itchimbia-Park, den zu besuchen wir uns für einen der nächsten Tage vorgenommen hatten. Den nächsten Tag nahmen wir uns aber wirklich zum Ausruhen frei und während meine Tochter zum Friseur ging, sortierte ich in der Zwischenzeit die bereits gemachten Fotos aus und kochte nachmittags ein Wiener Erdäpfelgulasch, um die Gastfamilie zu überraschen. Als Nachspeise bereitete ich Mohnnudeln mit Apfelkompott vor. Gegen 18 Uhr trudelten alle ein und waren begeistert vom Gulasch, etwas vorsichtig beim ihnen unbekannten Mohn, aber danach alle zufrieden mit dem Essen. Anschließend saßen wir noch zusammen und sahen uns einen von mir mitgebrachten Videofilm über Wien an. Obwohl ich erst seit 3 Monaten spanisch lerne, habe ich schon sehr viel verstanden und mit der Hilfe meiner Tochter konnte ich mich auch ganz gut ausdrücken. Es war wirklich ein netter Abend, an dem auch beraten wurde, wo wir in den nächsten Tagen hinfahren würden. In Quito gibt es ein System, das bewirken soll, dass die Verkehrsflut in den Stoßzeiten etwas eingedämmt wird. Am Montag dürfen z. B. Autos mit den Endnummern 1 und 2 zwischen 7-10 Uhr und zwischen 16-19 Uhr nicht in der Stadt unterwegs sein. Am Dienstag kommen dann Autos mit der Endnummer 3 und 4 dran usw. Das Auto, das uns zur Verfügung stand, hatte die Endnummer 0 und daher war der Freitag der eingeschränkte Tag. Da wir aber am Freitag in den Nationalpark Cotopaxi fahren wollten, mussten wir schon früh aufbrechen um vor 7 Uhr aus der Stadt draußen zu sein. Also husch ins Bett, morgen um 6 Uhr ist Aufbruch. |