Durch schäbige Vororte und Barackensiedlung mit schiefen Häusern auf Holzstelzen verließen wir die Stadt Richtung Westen und fuhren eine schnurgerade Autobahn entlang. Bei der ersten Mautstelle stand eine Polizeikontrolle und guckte kurz in den Bus, ob auch alle auf ihren Sitzplätzen sitzen und keiner steht. Später jedoch wurde alles mitgenommen was am Straßenrand stand und nur ein bisschen mit der Hand winkte, eine Frau hatte sogar 2 Hühner mit einer Schnur an den Beinen gefesselt dabei. Links und rechts befinden sich Haciendas und Fincas diverser Hühner- und Rinderzüchter und die Landschaft wechselte bald danach in trockenes Ödland, nur unterbrochen von wenigen Bananenplantagen die bewässert wurden. Über diesem Trockengebiet schwebten jedoch mehr Raubvögel, als ich jemals zuvor gesehen hatte. Nach 3 Stunden Fahrt erreichten wir Santa Elena, wo wir aber nicht lange warten mussten, denn der Umsteigebus näherte sich schon, als wir gerade erst ausstiegen. Weiter ging es in einem Bus voller lustiger und übermütiger Jugendliche nach Montanita, einem Surferparadies und Urlaubsort der einheimischen und auch internationalen Jugend. Entlang des Weges konnten wir Salzberge sehen, wo das Meersalz in seichten Lagunen gewonnen wird und auch Becken für die Shrimpszüchtung, für die dieses Gebiet bekannt ist. Entlang des Meeres stehen immer wieder gruppenweise Bambusbuden mit Schilfdächern und Essensangeboten, die die Reisenden zum Verbleib auffordern wollten und es auch bei einigen schafften. Die Strände waren dennoch einsam und ruhig, einen Schirmverleih gibt es nicht und auch keine Duschen. Bei einer Bushaltestelle sahen wir vor einer Bambusbude eine Frau bei einem Tisch sitzen, auf dem tote gerupfte Hühner ihre Beine gen Himmel streckten. Daneben stand ein Schild, auf dem glaubhaft versichert wurde, dass es sich um händisch gerupfte Hühner handelt! Über dem Strand zogen Möwen, Pelikane und reichlich Fregattvögel ihre Kreise. Diese Fregattvögel sind echte Luder. Weil sie selber nicht tauchen können, lauern sie den Möwen auf, die sie dann durch Zupfen an den Schwanzfedern in der Luft dazu veranlassen, vor Schreck ihre Beute fallen zu lassen, die sie sich dann selbst einverleiben. In Montanita endete dieser Bus, weil aber erst in einer Stunde unser Bus nach Puerto Lopez weiterfahren sollte, beschlossen wir uns wenigstens den Strand anzusehen und zu Mittag zu essen. Hinter großen Steinen befindet sich der Strand, sehr schön und sauber, etwas belebter und sogar Schirme konnte man sich ausleihen. Rasch war ein passendes Restaurant gefunden und wir bestellten uns Shrimps in Knoblauchsoße und gebackene Shrimps. Diese sind dort vor Ort billiger als Hühnerfleisch und wurden auch reichlich mit Bananenchips aus grünen Bananen und Reis serviert. Superlecker und weitaus besser als das Essen im Rest des Landes! Ein negativer Höhepunkt war dann der Besuch der Toilette. Diese befand sich direkt neben einem finsteren Raum, der Küche, und man konnte durch einige große Löcher dem Koch direkt in den Topf blicken. Aber was soll’ s, uns hat es nicht geschadet und wir hatten eh schon gegessen. Pünktlich kam der Bus der uns nach Puerto Lopez bringen sollte und nach einer kurzen Fahrt durch einen dichten Tropenwald waren wir endlich an unserem Ziel angelangt. Dieser Tropenwald gehört zum Nationalpark Machalilla, dem auch ein schönes Stück Land entlang des Meeres und 2 Inseln angehören. Meine Tochter kannte auch in Puerto Lopez schon ein Hotel von früher und wir mieteten uns sofort ein. Dieses Hotel wird von einer Ecuadorianerin mit ihrem amerikanischen Mann betrieben. Im Garten gibt es eine Freiluftküche die jeder Gast benutzen kann und Hängematten hängen zwischen den Palmen und tropischen Bäumen zur freien Benützung herum. In einem großen Käfig unter der Treppe war - NICHTS - zu sehen. Der Besitzer erklärte uns aber, dass darin ein Kuzumbo wohnt, der nachtaktiv ist und erst gegen 18.30 Uhr aus seinem Häuschen rauskommen würde. Und wirklich, pünktlich um 18.30 Uhr mit Einbruch der Dunkelheit stand der Bursche parat. Es wurde uns erklärt, dass der Kuzumbo ein endemisches Tier aus dem Tropenwald ist, aber mit Waschbären verwandt sein soll. Ein paar Tage später sollte ich herausfinden, dass es ein Wickelbär ist. Der Mann hatte ihn von Leuten gerettet, die ihn als Kleines aus dem Wald mitgenommen hatten, ihn aber schlecht behandelt haben. Nachdem es in Ecuador nicht erlaubt ist, Wildtiere in Gefangenschaft zu halten - außer in offiziellen Zoos - kamen die Kontrolleure. Als sie sahen, dass er sich wirklich gut um den Kleinen kümmert, der in freier Wildbahn nicht mehr überleben könnte, weil seine Mutter ihm nichts beigebracht hatte, sagten sie, es wäre besser, er bliebe, der Käfig wäre viel schöner als der, den sie ihm bieten könnten. Und so kommt er jeden Abend raus, nimmt gerne Obst, vor allem Süßes, entgegen und lässt sich durch das Gitter den Rücken kraulen.
Kuzumbo - Wickelbär Da wir auf die nahegelegene Isla de la Plata fahren wollten um die Blaufußtölpel zu sehen, buchten wir in einem Reisebüro eine Tour für den nächsten Tag. Danach prüften wir den Strand auf seine Qualität. Das Meer sah sauber aus, der Strand war etwas ungepflegt, andererseits aber wieder sehr natürlich. Tausende Krabben liefen über den Sand und verschwanden sofort in ihren Löchern wenn man sich näherte. Am Rand des Meeres sah man, wenn sich das Meer zurückzog, tausende kleine Schnecken, die sich in den Strand eingebuddelt hatten. Ich bin ja nicht so sehr die Wasserratte und außerdem war das Wasser so warm auch wieder nicht, aber die Vorstellung, jedes Mal tausenden Schnecken aufs Dach zu steigen, schreckte mich noch extra ab. Sicherheitshalber zog ich die Strandschuhe nicht aus und ging nicht ins Wasser. ![]() Dutzende Hunde liefen herum und spielten mit den einheimischen Kindern. Andere Kinder schnappten sich ein altes Stück Styropor und benutzten es als Luftmatratze, andere wieder zogen ein Netz aus dem Wasser, in dem sich nur wenige essbare Fische, jedoch eine Menge aufgeblasene Kugelfische befanden. Nachdem diese nicht gegessen werden, fragten wir, was mit denen passieren würde. Uns wurde erklärt, dass diese wieder ins Meer zurückkehren würden. Und wirklich, nach einiger Zeit gaben die Kugler die Luft ab, wurden wieder klein und schwammen mit der Brandung ins Wasser zurück. Einige andere blieben noch länger aufgeblasen, aber mit sandigen Händen konnte man sie am Schwanz packen und ins Meer werfen. Dort schwammen sie eine Zeitlang wie ein stacheliger Ball herum, bis auch sie die Luft ausließen und sich vom Acker machten. ![]() Am nächsten Tag in der Früh zwischen 5 - 6.30 Uhr tagte der Hahnengesangsverein unterbrochen von Hundegebell und Eselsgeschrei, der uns weckte und weil an weiteren Schlaf nicht zu denken war und Frühstück um diese Zeit auch noch nicht serviert wurde, marschierten wir zum Hafen, um den Fischern bei der Einfahrt in den Hafen zuzusehen und den Fischmarkt zu besichtigen. Am Weg dorthin sahen wir auf den Laternenmasten und am Strand eine Menge truthahngroße schwarze Geier hocken. ![]() Die Boote trudelten eines nach dem anderen von ihrer nächtlichen Tour ein und die Beute wurde von Männern in Kisten auf der Schulter von den Booten zu bereitstehenden Pickups getragen. Die frechen Fregattvögel stießen sofort herunter und klauten sich aus den Kisten was sie erwischen konnten. Was sie verloren, wurde sofort von den im seichten sitzenden Pelikanen eingesammelt. Zertretene Fische wurden von den Geiern gefressen und so schloss sich der Kreislauf der Natur. Am Fischmarkt herrschte munteres Treiben, Frauen kochten direkt am Strand ein kräftiges Frühstück aus Huhn oder Fisch und Reis für die heimgekehrten Männer und verkauften dieses Essen auch an andere. Ein Wagen mit Kokosnüssen und Kokosmilch stand bereit und an einem Tisch wurden die gefangenen Fische gleich entschuppt und filetiert und direkt an die wartenden Kunden verkauft. Einige Fischer zogen zu viert einen mächtigen Schwertfisch an Land und in einer Kiste befand sich ein fetter roter Fisch, der die ganze Kiste ausfüllte. Alles in allem, eine mächtig interessante Aktion.
Hier wird ohne Genierer zugegriffen! ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Bis zum Beginn unseres Ausfluges hatten wir noch etwas Zeit und wir spazierten die Strandpromenade entlang, um uns einen leckeren Fruchtsaft in einer der zahlreichen Saftbar zu kaufen. Diese Promenade ist eigentlich nur ein Gehsteig entlang des Meeres, lässt aber etwas zu wünschen übrig. Vor ca. 10 Jahren wirklich schön angelegt, bröckelt sie leider überall aus und die Bäume, die gewachsen sind, haben den Gehsteig teilweise so derart angehoben, dass er streckenweise nicht zu gebrauchen ist. Aber Duschen und Toiletten gibt es wenigstens in Kabinen neben dem Strand und in den großen Bäumen gleich daneben huschen allerlei exotische Vögel herum. Im Dorf hat es außer der Hauptstrasse nur Staubstrassen, auf denen es vor 3-rädrigen Mopedtaxis nur so wimmelt, die auch von den Einheimischen häufig frequentiert werden ![]() |