Málaga - Pedregalejo


In unserer ursprünglichen Reiseplanung war für den heutigen Tag ein Ausflug nach Marbella angedacht. Doch warum in die Ferne schweifen? Málaga hat nämlich neben dem Malagueta-Strand noch weitere zu bieten, wie die Playa La Caleta oder die Playa de Pedregalejo. Weiter östlich davon schließen sich noch weitere Strände an.
Wir sind ja nicht erpicht darauf, uns im Sand oder auf Liegen herumzuwälzen, sondern in einem schönen Café zu chillen und einfach aufs Meer zu schauen. Zumindest im vorderen Bereich des Malagueta-Strandes sind wir diesbezüglich vor ein paar Tagen nicht fündig geworden. Spontan entscheiden wir uns daher für den Strand von Pedregalejo.
Mit dem 11er Bus können wir direkt bis dorthin durchfahren. Die Haltestelle befindet sich in einer Parallelstraße zur Avenida de la Aurora, in der breiten Avenida de Andalucía, zu Fuß in nur wenigen Gehminuten von unserer Unterkunft aus erreichbar.
Die Jacaranda-Bäume in der Verbindungsstraße zwischen beiden Aveniden lassen das Herz aufgehen. Sie leuchten im warmen Sonnenlicht in voller blau-violetter Blüte. In der ganzen Stadt gibt es diese Bäume, doch gerade in dieser Straße verbreiten sie ein ganz besonderes Flair.


Auf den Bus müssen wir nicht lange warten und ergattern noch zwei Sitzplätze, bevor es richtig voll wird. Die Avenida de Andalucia, über die wir nun bis zum Hafen hinunterfahren, ist gesäumt von etlichen Prachtbauten in sehr gutem Zustand. Überhaupt erscheint das Stadtbild sehr sauber und gepflegt. Nirgendwo begegnen uns Müllecken oder Dreck. An keiner Stelle quer auf den Bürgersteig hingeschmissene Leihroller, die es hier wahrscheinlich gar nicht gibt. Es scheint, als ob die meisten Menschen selbst darauf achten, ihre Stadt sauber und schön zu erhalten.
Im Nu sind wir schon am Parque de Málaga angekommen, wo noch etwa 30 Personen zusteigen. Schnell lassen wir das Hafenviertel hinter uns und biegen auf die Avendia de Pries nach Osten ab, die in den langgezogenen Paseo de Sancha mündet. Vorbei geht es an einem luxuriösen Fünfsternehotel, dem Gran Hotel Miramar.
Zunächst erscheinen die Gebäude entlang dieser Durchgangsstraße noch großstädtisch, doch wechseln im Verlauf auch kleinere Häuser mit mehrgeschossigen Wohnhäusern ab, manche davon mit stilvollen Kacheln an der Hausfront verziert. Ab und an blitzt nun auch das Meer durch die schmalen Häusergassen. Überall verleihen auch hier die hohen, blühenden Jacaranda-Bäume den Straßenzügen eine besondere Note.


Etwa 25 Minuten sind wir gefahren, als wir an der Haltestelle Avendia Juan Sebstian Elcano – Las Acacias aussteigen. Sich hier zu orientieren ist nicht schwer. Im Hintergrund eine Erhebung, in entgegengesetzter Richtung Meer und Strand.
Eine Stichstraße führt zur Strandpromenade Paseo Marítimos el Pedregal. Endlich können wir das Meeresblau in vollen Zügen genießen. Noch ist der Strand nicht sehr bevölkert. Insbesondere traut sich kaum jemand in die noch frische Kühle des Meeres. Vielmehr genießen die Sonnenanbeter die ersten Bestrahlungen dieses Jahres auf der Haut. Doch das ist nichts für uns (bei Lichtschutzfaktor 50+).


Früher einmal soll die Umgebung ein heißes Szeneviertel mit vielen Bars und Clubs gewesen sein. Ich kann mir richtig gut vorstellen, was hier los war, nachdem die Jugend diese schöne Gegend zum Baden und Feiern für sich entdeckt hatte. Heute wird das ehemalige Fischerdorf in der Saison zum Anziehungspunkt vieler Touristen, die nun ebenfalls die Vorzüge des breiten Sandstrandes genießen.
Am Horizont ankert ein recht großer Frachter, den Kiel über Wasser, und wartet wohl auf die Einfahrgenehmigung in den Hafen Málagas, den wir von hier aus voll im Blick haben. Ein kleineres Boot mit Sonnendach tuckert vorbei, vielleicht ein Fischerboot. Doch zum Fischefangen ist es eigentlich noch zu früh. Andere dieser kleinen Holzboote wurden zweckentfremdet und dienen nun vor den zahlreichen geöffneten Restaurants auf der Promenade als Behälter für Holzkohlefeuer. Überall duftet es nach gegrilltem Fisch. Doch niemand hier möchte uns als Gäste bewirten, die nur etwas trinken wollen. Es sei alles reserviert, teilt man uns mit und komplimentiert uns galant immer wieder hinaus. Geht das Spiel schon wieder von vorne los?


Unerwartet öffnet sich vor uns ein kleiner Platz mit Cafés. Im La Habanera finden wir unter einem Sonnenschirm ein schönes Plätzchen mit Meerblick und freier Sicht auf die Vorüberflanierenden, die Sonnenanbeter auf einer kleinen Grasfläche mitten auf dem Platz, die ankommenden oder weggehenden Café-Gäste und immer wieder das knallige Blau des Mittelmeeres im Sonnenlicht. Zwei Jetskifahrer zeigen ihr Können, in dem sie immer wieder quer zum Strand durch das Wasser pflügen; Stand-Up-Paddler üben ihren Gleichgewichtssinn; es sieht richtig cool aus, wie sie da herumpaddeln und dabei aufrecht auf ihrem Bord kleben. Sehr lauschig finden wir es hier, am Strand von Pedregalejo, für unseren Geschmack tausendmal besser als an der Malagueta.
An unserem Nachbartisch sitzt ein halbaltes Paar auf Radtour, das sich offensichtlich in der Wolle hat. Sie, die Fleppe bis zum Boden und pikiert dreinblickend, er, zumindest in der Öffentlichkeit eher betont unbeteiligt. Auf ihrer bevorstehenden Tour wird das bestimmt kein Zuckerschlecken.
Daneben hat sich eine ältere, blondierte Dame auf ein Bier niedergelassen. Ihre sonnenverbrannte Haut scheint über die Jahre richtig dunkel geworden zu sein; das Gesicht hinter den wagenradgroßen Sonnenbrillengläsern wirkt etwas aufgedunsen.
Mittlerweile haben sich diverse Gerümpelverkäufer und Musikanten eingefunden, die auf die Euros der chillenden Gäste aus sind. Zumindest im benachbarten Restaurant macht ein Sonnenbrillenverkäufer in einer Runde junger Männer, die es schon ordentlich krachen lässt, das Geschäft seines Lebens.
Die jungen Leute im La Habanera verwöhnen uns mit leckeren Speisen und sind ausgesprochen lieb. Im Anschluss an unseren Snack gibt es für meine Reisebegleitung eine Sangria, aber hallo, und zum Abschluss unseres Besuches jeweils ein Pintchen Baileys aufs Haus.

Am späten Nachmittag verlassen wir diesen wundervollen Ort, an dem wir so gut entspannen konnten. Vor unserer Rückkehr möchten wir uns noch die kleinen Gässchen anschauen, die uns schon von weitem die ganze Zeit über eingeladen haben. Die ehemaligen Fischerhäuschen links und rechts der Gasse sind alle renoviert und dienen nun als Sommerhäuser. Das eine oder andere wird vielleicht sogar vermietet. Einige Besitzer haben mangels Innenhof die Stühle und einen Tisch einfach vor dem Hauseingang platziert und mit ein paar Topfpflanzen von der Straße abgegrenzt. Es macht wirklich Spaß, hier hindurch zu schlendern.




Als wir schließlich nochmals auf die Uferpromenade hinaustreten, knallt uns die 17-Uhr-Sonne so richtig auf den Schädel. Dennoch spazieren wir noch ein Stück stadteinwärts. Irgendeine der Bushaltestellen in der Parallelstraße werden wir schon finden.




Der recht leere 11er Bus bringt uns wieder in die Innenstadt zurück. Wie glücklich wir über unsere Entscheidung sind, heute zum entspannten Pedregalejo-Strand gefahren zu sein statt ins dekadente Marbella. Viel weniger aufwändig, viel gemütlicher, und zu gucken hatten wir auch genug.