Noch immer erfüllt von unserem zweitägigen Ausflug nach Granada werden wir heute in Málaga bleiben und uns die Hafengegend und den angrenzenden La-Malagueta-Strand ansehen. Doch vorher gibt es noch einiges zu erledigen. Allein mache ich mich dieses Mal auf den Weg in unser Viertel (Cruz de Humilladero), das ich mittlerweile zu schätzen gelernt habe. Infrastrukturell hat es alles zu bieten, was man zum Leben benötigt. Was kleinere Geschäfte und Dienstleister angeht, wird man in der langgezogenen Calle Horacio Lengo fündig, die nur wenige Minuten von unserer Unterkunft entfernt liegt. Anwohner, die beim Einkaufen Bekannte getroffen haben, stehen auf einen Schwatz auf den Bürgersteigen oder sind für ihre Erledigungen unterwegs. Ideal, um mich durchzufragen. Genau wie in meiner Stadt in Deutschland spricht man hier nur die Landessprache. Deshalb möchte ich noch einmal den Sprachgenerator der Übersetzungssoftware DeepL-App herausheben, mit der ich mich per Knopfdruck super unterhalten kann und alle gewünschten Auskünfte auch verstehe. Auf der Suche nach einem Damenfrisör zur Terminabsprache für meine Reisebegleitung (ich finde sogar drei in dieser Straße) passiere ich eine Fleischerei, eine Bäckerei, ein Obstgeschäft, einen Copy-Shop, ein Reisebüro, ein Gym, einen Kosmetikladen und noch weitere Lädchen. Herrlich, durch dieses durch Einheimische belebte Viertel zu schlendern, ganz ohne den Tourismus der Altstadt. Ich fühle mich schon richtig heimisch. Was mir nochmals sehr angenehm auffällt, ist die Sauberkeit auf den Straßen und Bürgersteigen. Auch keine Schreierei oder Betrunkene, die man ertragen muss, sondern einfach „normale“ Leute, die sich in den Gassen aufhalten. Die einzige laute Geräuschquelle ist die benachbarte Schule, wo zur Mittagszeit die Kinder von ihren Eltern abgeholt werden, die begeistert schnatternd erzählen, was heute los war. Beim Einkaufen stelle ich fest, dass die Waren in den Geschäften erheblich preiswerter sind als in Deutschland. Wann habe ich das letzte Mal einen Korb voller Lebensmittel gekauft und nicht mehr als 25 EUR gezahlt? Sicherlich sind die niedrigeren Preise auch dem (statistisch) niedrigeren Einkommensniveau geschuldet. Doch scheinen in diesem Viertel eher nicht die Wohlhabenden zu leben, sodass man einen Vergleich im mittleren und unteren Gehaltssegment ansetzen kann. Ist das Netto-Einkommen abzüglich Aufwendungen fürs Wohnen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern tatsächlich so viel höher? Dennoch scheint das Geld den Einheimischen hier zu reichen. Ich interpretiere, dass dies auch zur Zufriedenheit beiträgt, die ich auf den Straßen zu verspüren glaube, was wiederum die Atmosphäre im Viertel so freundlich erscheinen lässt. Dazu kommt der respektvolle Umgang, mit dem man mir (als Fremder) begegnet, der mich täglich aufs Neue begeistert, denn er macht das Miteinander so einfach und schön. Eine Ausnahme erlebe ich in einem kleinen Gemischtwarenladen, einem Familienbetrieb, auf der Avenida de Aurora, in der Nähe der Einmündung der Calle Horacio Lengo. Das Gute zuerst: Sie haben wirklich alles, was man braucht, und der Laden liegt am nächsten zu unserer Unterkunft. Zum Teil muss man in dem auf- und ineinander Gestapelten zwar suchen, doch am Ende wird man fündig. Die Inhaberin hilft dabei sehr nett, doch ihr Mann und der Sohn sind der Missmut in Person. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach der Heimat in Fernost, vielleicht liegt die Unfreundlichkeit aber auch in der Sozialisation begründet oder dem nicht erlernten Servicegedanken. Am Ende stellen wir uns darauf ein und betrachten den Einkauf in dem Laden als eine Art „kultige“ Angelegenheit. Einmal lasse ich mich sogar dazu hinreißen, mich bei dem Sohn nach dem seinerseits wort- und blicklosen Bezahlvorgang an der winzigen Theke zu bedanken und ihm noch einen Abschiedsgruß entgegen zu werfen. Wie erwartet, keine Reaktion. Stattdessen weiterhin Handy-Gedaddel. Erst mein Insistieren mit einem nochmaligen, etwas lauter geäußerten Gruß nötigt ihn dazu, mich anzusehen und irgendetwas zu murmeln. Immerhin! Flugs ist der Vormittag vergangen, und die kleinen Erlebnisse unterwegs mit den Menschen hier und den erfolgreichen Erledigungen haben bei mir ein sehr positives Gefühl erzeugt. Dazu das fantastische Frühlingswetter und immer wieder die hell blühenden Jacaranda-Bäume, die meinen Blick einfangen und mein Herz erfreuen. Etwas später testen wir die Busverbindung ins Zentrum, in Richtung Hafen. Der 14er Bus mit Abfahrt bei uns um die Ecke wird uns dorthin bringen. Bezahlen kann man, wenn man sich keine preiswerte Karte besorgt hat, bar im Bus beim Fahrer. Diesen Bus hin oder zurück werden wir im Laufe der Zeit noch öfter benutzen und stellen fest, das wirklich jedes Mal irgendjemand aufsteht, um meiner Mutter den Sitzplatz anzubieten. Was für ein selbstverständliches soziales Miteinander! Die 14er-Buslinie führt zunächst über die Avenida de La Aurora, vorbei am Abzweig zu den Bahnhöfen, dann hinein in die breite, parallel verlaufende Avendia de Andalucía, die in die Plaza de la Marina mündet, dann hinein in den Paseo del Parque (vorbei an einer Grünfläche, die sich rechterhand an der Straße entlangzieht, und dem Zugang zur Altstadt auf der gegenüberliegenden Straßenseite). Dahinter, an einem großen Kreisverkehr, der Fuente de las Tres Gracies, biegt er zum Hafen ab. Dort steigen wir aus. Unterwegs ist mir aufgefallen, dass der Bus alle paar hundert Meter angehalten hat. Man braucht also einfach nur in eine Richtung zu laufen, irgendeine Haltestelle ist immer recht schnell erreichbar. Ein bunter Glaswürfel in Form eines Kubus sticht uns bei der Ankunft direkt ins Auge. Dort ist seit März 2015 das Centre Pompidou Málaga untergebracht, in dem gerade eine Kandinsky-Ausstellung gezeigt wird. ![]() Gleich daneben das Hard Rock Café Málaga. Genau auf dieser Ecke treffen zwei Wege des Paseo del Muelle Uno (Promenade Pier Eins) aus verschiedenen Richtungen aufeinander.
![]() Wir entscheiden uns zunächst für den rechts abbiegenden Weg, wandern in nun stetig zunehmender Hitze an den Anlegestellen entlang. Weiter hinten, auf einem Hügel, thront das Castillo de Gibralfaro, von dem aus man die gesamte Hafenregion überblicken kann. Das wäre auch eine Möglichkeit, uns an einem anderen Tag einen Teil der Stadt aus einer anderen Perspektive anzusehen, nämlich von oben! ![]() Leider liefert die weiße, geschwungene Überdachungskonstruktion, eine Art Wahrzeichen der 2011 neu geschaffenen Hafenpromenade, nur wenig Schatten. Bei unserem Spaziergang hatten wir auch auf das eine oder andere Lokal gehofft, wo man wegen unserer heutigen Lauffaulheit auch sitzend die Umgebung genießen könnte, doch werden wir hier nicht fündig. Also wieder zurück. ![]() Wieder am auffälligen Kubus des Centre Pompidou Málaga angelangt, geht es nun in die andere Richtung der Muelle Uno. Lustwandeln kann man nun auf zwei Ebenen, die in kurzen Abständen über Treppen und Aufzüge miteinander verbunden sind. Insbesondere im unteren Bereich trifft man auf verschiedene Einkehrmöglichkeiten und Geschäfte mit touristisch-orientiertem Sortiment. Zur Orientierung stiefeln wir zunächst noch ein wenig über die ansprechende Promenade, an der einige protzige Jachten festgemacht haben. „BIGGER THAN A HOUSE“ ruft ein britischer Tourist seiner Begleiterin fast schon entrüstet zu. ![]() Von der Seite wird mir der Wunsch souffliert, direkt am Strand, in einem Café bei einem frisch gepressten O-Saft ein wenig zu chillen. Eine kleine Stichstraße führt von der Hafenpromenade zum Strand La Malagueta. Nur punktuell ist die breite Sandküste belebt, in weiten Teilen aber noch unbesucht. Bei diesem Wetter können am bevorstehenden Wochenende die Leute aus der Umgebung einem Besuch aber sicherlich nicht widerstehen. Das Baden im Meer wird allerdings jetzt, Anfang Mai, noch zu einer äußerst erfrischenden Angelegenheit.
![]() Auf der strandabgewandten Straßenseite, ohne direkten Blick aufs Meer, befinden sich zwar ein paar (vollbesetzte) Lokale, doch lauschig finden wir das nicht, und stiefeln weiter. Irgendwo hier muss es doch gleich am Strand noch ein paar Cafés geben! Tatsächlich entdecken wir bald ein weiß gestrichenes Gebäude. Doch welche Enttäuschung: der Essbereich ist geschlossen, und der winzige Außenbereich vor dem Eingang (in praller Sonne) bereits besetzt. Kitchen closed, kennen wir ja schon aus Granada. Wir wollten auch gar nichts essen, nur ein wenig dort sitzen und etwas trinken. It’s not possible. Punkt. Langsam mache ich mir Sorgen, denn meiner Mutter (87) geht es im Moment nicht mehr so gut. Richtig blass sieht sie aus. Sie braucht dringend eine Sitzgelegenheit und etwas zu trinken, damit die Schwächephase vorbei geht. Meine Bitte danach wird in diesem Lokal dennoch empathielos abgeschmettert, und so dackeln wir wieder ab. Zurück an der Strandpromenade entdecke ich eine Bank im Halbschatten, die jetzt erst mal genügen muss. Und glücklicherweise kann ich an einem Kiosk gleich daneben eine Flasche Wasser erstehen. Langsam tritt wieder Erholung ein, und die Gesichtsfarbe ist von Kalkweiß zu lebendigerem Beige gewechselt. Dass es so schwierig sein könnte, am Stadtstrand von Málaga, der Playa La Malagueta, mitten am Tag, ein geöffnetes, chilliges Lokal zu finden, hätte ich nicht gedacht. Vielleicht muss man dafür einfach weiter den Strand hinunter gehen, bis zur Playa La Caleta. Für uns jedoch haben sich weitere Spaziergänge mit dem zum Glück zumindest halbwegs überwundenen Schwächeanfall für heute erledigt. Immerhin haben wir uns einen Eindruck von der Hafenregion und La Malagueta machen können. Ganz nett, aber nicht so begeisternd, dass wir immer wieder hierher kommen möchten. Direkt zurück zur Unterkunft soll es aber dann doch noch nicht gehen, sondern an der Muelle Uno in eines der Restaurants, die wir auf dem Hinweg passiert haben. Wir entscheiden uns schließlich für eines mit weißen Decken auf den Tischen. Von außen wirkt es sehr seriös. Vielleicht gibt es sogar selbst hergestellte Gerichte? Leider ist das Bestellte dann nicht so überzeugend. Die spanischen Kartoffeln meines Fischgerichts entpuppen sich als schnöde Salzkartoffeln unter einer furchtbaren, üppigen Gemüsepampe. Diese besteht zu 90% aus matschig geschmorten Paprikaschotenstreifen, die ich nicht vertrage und von denen auch nichts auf der Karte gestanden hat. Das Fischfilet finde ich unter der Pampe dann aber doch noch, und das schmeckt immerhin neutral gut. Da die Bedienung ziemlich geschäftsmäßig distanziert und mit sich selbst beschäftigt ist, sehen wir keinen Grund, in diesem Abfertigungslokal länger als nötig zu verweilen und machen uns auf den Rückweg. Es ist nicht mehr daran zu denken, die nächste Bushaltestelle zu suchen, da meine Mutter körperlich ziemlich fertig ist. Also versuche ich, uns jetzt, am späten Freitagnachmittag, in der prallen Hitze, an dem großen Kreisverkehr vor dem Hafengelände ein Taxi zu ergattern. Was während der Woche ein Kinderspiel ist, will heute überhaupt nicht klappen. Unzählige Taxen brettern an uns vorbei, und alle sind besetzt. Endlich entdecke ich vor einem Hoteleingang, auf der schräg gegenüber liegenden Straßenseite, ein freies Taxi, das uns zurückbringt. Gut, dass wir wieder in der Unterkunft sind, und den Tag ohne weitere Anstrengungen ausklingen lassen können, denn für morgen ist schon der nächste Ausflug (nach Córdoba) vorgesehen. |