Im langgezogenen Patio de los Arrayanes (Myrtenhof), auch Patio de la Alberca genannt, haben die Baumeister mittig ein rechteckiges Wasserbecken eingelassen. Myrtensträucher („Arrayanes“) grenzen den außen verlaufenden, marmornen Fußweg vom Wasserbecken („Alberca“) ab. Die ihn umgebenden Gebäude gehören zum Comares-Palast. Verschiedene repräsentative Räumlichkeiten sind offen zugänglich und spiegeln die Pracht dieses ehemaligen Herrschaftsgebäudes wider. ![]() Vergleicht man die beiden gleichermaßen bedeutsamen Palastanlagen islamischer Herrscherdynastien, den Topkapı-Palast in Istanbul (Errichtung 1459-1465) und die Nasriden-Paläste in der Alhambra (Errichtung des Comares-Palastes 1333-1354), lassen sich große Unterschiede sowohl in der Außen- als auch in der Innengestaltung feststellen. Im Außenbereich beeindruckt der Topkapı-Palast mit seinen Aussichtspunkten auf den Bosporus. Insgesamt wirkt das Gelände offener als in der Alhambra. Hier hingegen begeistern die durchdachten Gartenanlagen zwischen den Abschnitten einzelner Komplexe. Während die Räume in den Nasriden-Palästen der Alhambra ohne Mobiliar auskommen, befinden sich an verschiedenen Stellen des Topkapı- Palastes Einrichtungsgegenstände, die die Fantasie anregen, wie der fürstliche Alltag damals war. Vielleicht liegt es an der Fertigstellung des Comares-Palastes rund 100 Jahre vorher, eventuell auch an seiner längeren Bauzeit – bei der Innenausstattung unterscheiden sich beide Anlagen zum Teil sehr deutlich durch die unterschiedliche Verwendung von Materialien und deren Gestaltungsmöglichkeiten. Im Topkapı-Palast sind die Wände häufig großflächig mit Kacheln mit blaufarbigen Motiven gestaltet, wie zum Beispiel der Eingangsbereich des Harems. Elemente aus glänzendem Gold lassen daneben den Prunk der Anlage in jeder Ecke durchscheinen.
Zum Vergleich: Fotos aus dem Topkapı-Palast in Istanbul
![]() Anders im Comares-Palast. Neben Kachelornamenten mit unterschiedlichen Farben und Formen entsteht der Eindruck der Bedeutsamkeit nicht so sehr durch Goldapplikationen, sondern durch die feinen Stuckelemente, die die Kalligrafien, geometrischen Muster und herausgearbeiteten Reliefs noch ausgefeilter erscheinen lassen.
Fotos aus dem Comares-Palast in der Alhambra
Diese prunkvollen Wandverzierungen im Comares-Palast mit den kunstvollen Inschriften und bedeutsamen Mustern, die baulichen Besonderheiten der Räumlichkeiten und die interessant gestalteten Decken lassen die Augen übergehen. Nichts ist identisch oder könnte langweilig werden. Im Gegenteil haben wir das Gefühl einer steten Steigerung im Laufe unserer Besichtigung, wie dem Barke-Saal oder dem Botschafter-Saal (Saal der Gesandten). Barke-Saal
Wahrscheinlich geht seine Bezeichnung auf das Wort „Segen“ zurück, das im Arabischen „baraka“ heißt und auf den Wänden dieses Raumes zahlreich wiederholt wird.Bei einem Brand gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Raum, insbesondere seine gewölbte Decke, erheblich beschädigt. In dem 24 Meter langen, rechteckigen Saal wurden daraufhin eine ovale Holzdecke eingezogen und auch die Wände weitestgehend restauriert.
Deckenausschnitt
Wanddekor
In den breiten Durchgängen von einem Raum zum nächsten befinden häufig unterschiedlich ausgestaltete Nischen mit Stalaktitenelementen.
Dieser mehrfache Torbogen führt in den größten Raum des Comares-Palastes.
Reich verzierter Torinnenbogen
Botschaftersaal (Thronsaal)
Der Salón de los Embajadores (Salón de Comares) ist eines der Herzstücke der Nasridenpaläste. Kein Detail war zu teuer, um diesen Raum auszugestalten und die Gäste in Erstaunen zu versetzen.
Zwei Fensterreihen übereinander sorgten in dem über 18 Meter hohen Raum für einen stimmungsvollen Lichteinfall.
![]() Nichts bei der üppigen Wandgestaltung wurde (so wie in allen Räumen der Nasridenpaläste) dem Zufall überlassen oder existiert nur zu dekorativen Zwecken. Jedes einzelne Detail hat seine Bedeutung.
In der Mitte des quadratischen Saals befindet sich ein abgegrenztes Stück Originalboden mit erhaltenen Keramikfliesen, der Rest wurde durch Tonfliesen ersetzt. ![]() Eines der Prunkstücke in diesem Raum stellt die Zedernholzdecke dar, die aus über 8000 Holzelementen besteht. Ihre außerordentliche Wirkung ergibt sich nicht aus einem nach beliebigen ästhetischen Aspekten verwendeten Muster, sondern aus der reliefartigen Zusammensetzung der Intarsien nach einem genauen, inhaltlich sinnhaften Plan. ![]() Sehr detaillierte Hinweise zum Reichtum der Ausgestaltung dieses Raumes findet man in „Die Alhambra und Granada" (s. Pkt. 1 der Literaturliste, Seiten 86 - 93), hier insbesondere zur Decke, aber auch zu Arabesken, Gipsarbeiten, Inschriften aus verschiedenen Materialien und zu verschiedenen Kunststilen und deren zeitlicher Einordnung. Das alles unterlegt mit Bildern für den interessierten Leser, eine wahre Fundgrube an Informationen! Auch Irvings Begeisterung über die Ausstattung dieses Festsaales, so wie er ihn 1829 gesehen hat, ist spürbar. „Ebenso hier, wie überall, reichste Spuren vergangener Pracht! Die Wände sind mit Stuck und Arabesken verziert; die gewölbte Decke, mit Zedernholz getäfelt, strahlt noch in reicher Vergoldung und Farbenpracht. (...) Hier im Salon der Gesandten war das Zentrum des politischen und diplomatischen Lebens des islamisch-maurischen Königreichs, von wo aus das Geschick des islamischen Granadas gelenkt wurde, als es bereits vom Tode gekennzeichnet war.“ (Irving, S. 55f, s. Literaturliste) |