Planung Bei der Reiseplanung stand für mich stets im Vordergrund, unsere Unternehmungen auf die etwas eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten meiner Mutter so weit wie möglich anzupassen. Dafür benötigten wir zwar keine komplette Barrierefreiheit, doch kilometerlanges Laufen am Stück oder das Steigen vieler Treppenstufen wäre schlicht nicht möglich. Das galt auch für die zu buchende Unterkunft, die entweder ebenerdig oder mit dem Aufzug erreichbar sein und über zwei Zimmer verfügen sollte. Wir entschieden uns für ein Apartment, in dem man sich auch mal das Frühstück selbst zubereiten kann, das gute Bewertungen genießt und nicht direkt im touristischen Zentrum von Málaga, jedoch in fußläufiger Nähe der Bahnhöfe liegt. Nicht unwichtig, wenn man an die Zahl unserer geplanten Ausflüge denkt. In den von uns angesteuerten Orten gibt es darüber hinaus eine solche Vielfalt von interessanten Objekten, die wir beim langsamen Gehen mit Sitzpausen nie in ihrer Gesamtheit hätten besuchen können. Es galt daher, eine gute Auswahl zu treffen. Zusätzliche Zwischenübernachtungen in Granada und Sevilla sollten uns genügend Spielraum für Besichtigungen und Ruhephasen bieten. In Málaga selbst hatten wir zwischen unseren Ausflügen darüber hinaus genügend Alternativen für Spaziergänge und Besichtigungen, wenn nicht gerade ein Ausruhen in der Unterkunft angesagt war. Für unsere Ausflüge über Land planten wir die Benutzung entsprechender Busverbindungen. Schon bei unserem letzten Trip in Nordspanien (Region Playa d’Aro und Girona) hatte das sehr gut geklappt. Was wir damals jedoch jedes Mal bedauerten, war die nur kurze Fahrtdauer. Daher freuten wir uns schon auf die diesjährigen längeren Ausflüge mit den Überlandbussen. Falls es doch mal schneller gehen sollte, könnten wir auch die etwas teureren Züge zu verschiedenen Zielen benutzen. Eine sehr hilfreiche Internetseite für zuverlässige (jedoch nicht abschließende) Auskünfte ist die mittlerweile recht bekannte Rome2Rio-Seite, die die gängigsten Verbindungen sehr übersichtlich anbietet. Ich hatte jedoch auch vor, mir im Busbahnhof in Málaga direkt am Schalter die entsprechenden Busfahrpläne zu holen. Daneben bietet Málaga selbst einen gut getakteten und preiswerten innerstädtischen Busverkehr, mit einer Haltestelle direkt vor unserer Unterkunft, die in kurzen Abständen und pünktlich eine Linie in die Innenstadt bedient, wie wir später erfahren werden. Die Suche nach einer geeigneten App führte zur spanischsprachigen EMT Málaga-Seite, bei der man z.B. eine gewünschte Haltestelle anklicken und dann die nächsten Abfahrtszeiten aller dort verkehrenden Linien herausfinden kann. Eine Herausforderung stellte bei der Planung der Besuche in anderen Ortschaften die Verbindung zwischen den jeweiligen meist etwas außerhalb gelegenen Ankunftsbahnhöfen und den Besichtigungszielen dar, die selbst oft auch weiter voneinander entfernt lagen. Wie gelangte man zu Fuß oder per ÖPNV dorthin? Wenn schon der Bus eine halbe Stunde lang fährt, kann man davon ausgehen, dass der Fußweg erheblich länger und für meine Mutter nicht machbar war. Bei Tagesausflügen kam noch ein weiterer Faktor hinzu, da nach einer 2- oder 3stündigen Anfahrt bis zur nachmittäglichen oder abendlichen Rückfahrt nicht so viel Zeit für Besichtigungen blieb. Also musste eine Auswahl getroffen werden, welche Objekte in welcher Stadt wir uns genau anschauen wollten, wie man dorthin kam und dennoch genug Zeit für mal ein Päuschen blieb. Man will einen Ort ja auch (oder insbesondere) vom Flair her ein wenig kennenlernen, und nicht nur herumhetzen, um noch diese Kirche oder jenes Museum zu besuchen. Wenn man beweglich und einigermaßen gut zu Fuß ist, macht man sich keine Gedanken darum, läuft einfach zu Fuß eine halbe Stunde von A nach B und schaut sich dann - natürlich ebenfalls zu Fuß - alles an, worauf man gerade Lust hat. Bei uns galt es jedoch, eine Balance zwischen Fußwegen und Erholungsphasen zu finden, für deren Gestaltung wir die Möglichkeiten des ÖPNV einplanten. Genauere Vorab-Informationen dazu waren online allerdings spärlich. Wir würden es darauf ankommen lassen müssen und uns zur Not durchfragen. Für mich war es eine ganz neue Erfahrung, unsere Reise unter den genannten Aspekten derart genau durchzuplanen. Doch ein paar Überraschungen und Herausforderungen geben einer Reise ja immer wieder einen besonderen Pfiff! Anreise Jedes Mal, wenn wir ab dem etwas altmodisch wirkenden Regionalflughafen Hahn Airport (ehemals Frankfurt-Hahn) abfliegen, bin ich dankbar dafür, dass es ihn überhaupt gibt. So wird es vielen Reisenden in der Peripherie gehen, wenn sie oft preiswerte Abflugmöglichkeiten ab den – wie stets berichtet wird - so unrentablen kleinen Airports haben, ohne dafür eine stundenlange Anreise zu den größeren in Kauf nehmen zu müssen. Doch so klein ist der Flughafen gar nicht, denn in Hahn wurden im Jahr 2024 immerhin 1,865 Millionen Passagiere (Seite 12) abgefertigt. Recht pünktlich startet unsere Maschine zu einem ruhigen Flug nach Málaga, wo uns, nur wenige Kilometer von der Stadt selbst, ein moderner Airport mit jährlich knapp 25 Millionen Fluggästen erwartet, eine ganz andere Größenordnung. Durch die Nähe zur City stehen verschiedene öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung, doch wir entscheiden uns für ein Taxi, das uns für 21 Euro ohne langes Herumirren und Kofferschleppen direkt zu unserer Unterkunft in der Avenida de la Aurora, im Stadtteil Cruz de Humilladero, bringt. ![]() An einem der Seiteneingänge zu der ummauerten Wohnanlage mit zwei Häuserblocks nehme ich per WhatsApp Kontakt zum Vermieter auf, der uns in der Wohnung bereits erwartet. Schnell ist er heruntergeeilt und gibt uns wertvolle Tipps hinsichtlich ÖPNV, Geschäften und Restaurants, noch bevor wir den Innenbereich der Anlage betreten. Die nur wenige Meter unterhalb des Seiteneingangs gelegene Bushaltestelle bedient die Linie 14, die ins Zentrum und noch weiter darüber hinaus fährt. Man kann sich in der City eine Karte zum Aufladen besorgen, was zu erheblichen Preisminderungen führt. Es gibt auch erschwingliche Zeittickets und Zehnerkarten zu kaufen. Oder man bezahlt für Einzelfahrten (am besten bar und passend) im Bus, dann kosten sie 1,40 EUR (2025) und sind immer noch sehr preiswert. Im Internet habe ich irgendwo gelesen, dass Senioren über 65 Jahren sogar frei fahren könnten, doch sicher bin ich mir nicht. Vorsichtshalber zahlen wir daher lieber. Bus- und Zugbahnhof sind ebenfalls schnell zu Fuß erreichbar, werden wir weiter informiert, ebenso auch die Innenstadt in etwa zwanzig Minuten. Möglichkeiten zum Essen, wie das La Canasta (Cafe-Bar) oder das montags geschlossene Los Marfiles (Restaurant), liegen etwa 100 Meter die Hauptstraße hinunter und bieten einheimische Kost an. Geschäfte, wie eine Metzgerei, eine Bäckerei oder verschiedene Friseurläden, kleinere Minimärkte und sogar ein Lidl, liegen ebenfalls im nahen Umkreis. Ob wir zur Alhambra wollten? – Ja, natürlich! – Ob wir Tickets hätten? – Ja, die haben wir schon vor Monaten gebucht. – Gut so, denn die Tickets seien jetzt (im Mai) schon bis Oktober!! ausgebucht. So hieß es letztens wenigstens im Fernsehen. Lustig ist, dass unser Vermieter kaum Englisch und kein Deutsch spricht, doch wir wissen uns zu helfen. Die DeepL-App leistet uns bei der Übersetzung per schriftlicher oder Sprachein- und -ausgabe (auch später noch) eine unschätzbare und schnelle Hilfe. Dort, wo sich Menschen freundlich und entspannt gegenübertreten, könnten sie sich aber auch mit Zeichensprache verständigen. Unsere Unterhaltung klappt jedenfalls wunderbar. Der Innenhof der Wohnanlage wirkt überaus gepflegt und ist mit Pflanzenbeeten verschönert. Bänke entlang den schattigen Hausmauern bieten Möglichkeiten, sich zu begegnen oder einfach ein wenig zu verweilen. Die beiden Gebäude und auch die Wohneinheiten selbst sind per Schließanlage bzw. mehrere Schlüssel erreichbar und vermitteln dadurch ein sicheres Gefühl.
![]() Unsere Wohnung befindet sich zusammen mit drei weiteren in der vierten Etage und ist viel größer, als wir es uns beim Buchen vorgestellt haben. Sie ist modern und großzügig eingerichtet mit wirklich allem, was man für den Aufenthalt braucht. Während unseres Aufenthaltes müssen wir kein einziges Mal irgendwelche Verbrauchsgüter nachkaufen. Wir bekommen alle elektronischen Geräte erklärt, lernen, dem großen Deckenventilator Vorrang vor der Klimaanlage zu geben, genießen die Vorzüge eines großen, begehbaren Kleiderschranks und finden die breiten Betten unglaublich bequem. Von Anfang an gibt uns die Unterkunft ein richtig gemütliches und wohnliches Gefühl. Schon ist der späte Nachmittag angebrochen. Was sollen wir weiter in der Wohnung bleiben? Lieber gehen wir die paar Meter zum nächsten Lokal und schauen mal, was es dort so zu speisen gibt. Es ist nur ein kurzes Stück die Hauptstraße hinunter. Ein frühlingshaftes und freudiges Gefühl hat uns erfasst. Das liegt nicht nur an den angenehm warmen Temperaturen, sondern auch an den üppigen Jacaranda-Bäumen, unter deren fliederfarbener Blütenpracht wir auf dem Bürgersteig hindurchspazieren. Bisher habe ich nur einen dieser Zierbäume bewusst wahrgenommen, der ebenfalls breit ausgreifend in Timbáki, in Südkreta, steht. ![]() Im La Canasta („Korb“) finden wir noch einen freien Tisch im Außenbereich, wo wir ausschließlich unter einheimischen Viertelbewohnern sitzen. Ein bisschen neugierig schaut man uns schon an, weil sich Touristen hierher wohl eher selten verirren. Doch dabei bleibt es dann auch. Ablehnung, weil wir Fremde sind, erfahren wir keine. Vielleicht fragt man sich, wo wir denn untergekommen sind. In einer möblierten Wohnung vielleicht, die man auch an Einheimische vermieten könnte? Denn auch in Málaga ist Wohnraum knapp, und es wird gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum protestiert. Doch mit solchen Überlegungen werden wir hier nicht konfrontiert, sie finden bei aufkeimendem schlechtem Gewissen nur in meinem Hirn statt. Zu dem Lokal gehören – für uns sehr praktisch – noch eine größere Bäckerei und eine Metzgerei. Die Speisekarte in der Cafeteria bietet kleinere Gerichte an, die uns vollauf reichen. Zum Nachtisch gibt es dann im schmalen Likörglas einen Málaga-Wein, dunkel, schwer, süß und betörend. So kann ein Anreisetag gerne enden. |