Busfahrt nach Thessaloníki
und erster Abend in der Stadt


Nach einem ausgiebigen Abschied bei unseren Vermietern in Fanári fahren wir gemütlich nach Komotiní und tanken das Auto voll, um es endlich abzugeben. Diesmal werden wir bei der Autovermietung von einem Mann bedient. Er verzieht keine Miene, es gibt auch kein Wort zuviel. Auch keinen Gruß. Nichts Versöhnendes. Aber immerhin erhalten wir eine sehr ausführliche und präzise ausgestellte Quittung. Doch diese Autovermietung werden wir im Leben nicht mehr aufsuchen.

Schließlich schlendern wir zur Bushaltestelle, wir haben noch etwas Zeit. Ein Eis in der angenehm kühlen Wartehalle verkürzt die Zeit bis unser Bus bereitgestellt wird.
Unsere Sitzplätze befinden sich ganz vorne, in der ersten Reihe neben dem Fahrer. Zunächst schlafen wir ein wenig, als das Gefährt durch die Stadt schaukelt, so wie viele der Passagiere. Irgendwann wache ich auf, als wir schon auf der Egnatía dahinbrausen.
Ich drücke es mal so aus: Ich habe nichts dagegen, zügig an’ s Ziel gebracht zu werden. Allerdings lege ich Wert darauf, lebendig dort anzukommen. Vielleicht fährt dieser Fahrer die Strecke jeden Tag drei Mal und kennt sie im Schlaf. Vielleicht hat er Langeweile. Wie auch immer, er ist während unserer Fahrt mit allem Möglichen noch nebenher beschäftigt. Dabei gibt er richtig Gas.



Während er den Blick bei seinen Aktivitäten regelmäßig von der Fahrbahn nimmt, dreht er auch das Lenkrad immer ein wenig in die Richtung, in der er gerade anderes zu tun hat, sodass der Bus bei mindestens hundert Sachen ständig hin und her schwingt.
Ich frage mich, ob er den Autopiloten eingeschaltet hat, denn plötzlich steht er während der Fahrt auf, tritt einen Meter zur Seite, um einen Kühlschrank neben der Tür zu öffnen. Ich traue meinen Augen nicht! Das Lenkrad kann er gerade noch mit den Fingerspitzen einer Hand berühren und irgendwie auf Kurs halten, während er sich gemütlich ein Kaltgetränk aus dem Kühlschrank angelt. Jetzt fehlt nur noch, dass er nach der Erfrischung ein kleines Nickerchen hält.

Meine Nerven sind zum Zerreißen gespannt, die Handinnenflächen nass vom Angstschweiß. Geschwindigkeitsbeschränkungen sind für den Fahrer völlig uninteressant. In Thessaloniki kommen wir aufgrund der stetig hohen Geschwindigkeit auch entsprechend früh an, sodass er noch zweimal um den Pudding kurvt, bevor er in den großen Busbahnhof einfährt. Puuuuuh, geschafft. Bin ich froh, als wir endlich aussteigen und die Mörderfahrt hinter uns haben.



Mit dem Stadtbus geht es dann in Richtung Embórikon-Hotel, im Zentrum, wo wir auch beim Deep-Purple-Konzert genächtigt haben. Den Nachmittag und Abend vertreiben wir uns mit Bummeln durch die Straßen.









Souvlaki mit Diplom

In der Karypi-Gasse, die das Oúzo Mélathron fast ganz in Beschlag genommen hat, befindet sich auch noch ein anderes Restaurant, das Roúga (die auf Korfu übliche Bezeichnung für Gasse). Dieses Lokal kann man wirklich empfehlen. Kopfüber tauchen wir in die leckeren Vorspeisen und wollen uns dann für ein Hauptgericht entscheiden. Was darf es sein: gebratene Fleisch- und Geflügelstücke in würziger, dunkler Soße, in einem Pfännchen serviert? Oder „besoffenen Hahn“, in einer hellen Weinsoße und mit Dill gewürzter Reis? Oder eine deftige Schweinshaxe?
Heute nehmen wir Kalbfleisch-Juvétsi und eine Portion Spaghetti mit Garídes. Es gefällt uns, dass man in dem familiär geführten Betrieb auch noch Zeit für ein kleines Schwätzchen hat. Dieses Restaurant wird für den Rest unseres Aufenthaltes zum Stammlokal, auch wegen der guten Nähe zum Hotel.

Zum Ausklang des Tages rollen wir zur neu gestalteten Uferpromenade. Nur schade, dass die Leofóros Níkis im Zuge der Umbaumaßnahmen nicht verkehrsberuhigt wurde. Auf der anderen Seite der Straße reihen sich zig Cafebars aneinander, die hauptsächlich von jungen Leuten bevölkert sind und aus denen teilweise ohrenbetäubende Musik herausschallt. Nix für uns.

Es ist Vóltazeit. Sehr viele Menschen sind unterwegs zum Weißen Turm, so wie wir, mit dem roten Feuerball in unserem Rücken, hinter den Löschkränen. Drei Frachter liegen im Hafen vor Anker. Beim Weißen Turm, wo die Promenade sich verbreitert, setzen wir uns auf eine Mauer und nehmen die vielen Passanten wahr. Viele junge Leute sind unterwegs, in Cliquen, wo man offensichtlich Spaß zusammen hat.

Auch hier versuchen etliche Straßenhändler ihre Waren an die Leute zu bringen. Arme Leute neben modisch aufgebrezzelten Menschen. Mit geht noch einmal das Gespräch durch den Kopf, das wir gerade vorher mit einer Frau hatten, die eine kleine Kapelle sauber hält. Sie sei für die Arbeit hier sogar bei der Gemeinde eingestellt, berichtete sie.
Aus Georgien sei sie 1992 ganz allein nach Thessaloníki gekommen, dem Hunger entflohen. Bald danach sei die Familie nachgekommen. – Ob es ihr hier besser ginge? – Sie zuckt die Schultern: „Immerhin hungern wir hier nicht.“

Auf dem Rückweg schlendern wir über den voll besetzten Aristotélos-Platz. Man genießt einen Cocktail oder ein Eis, lässt Gott einen guten Mann sein und freut sich des Lebens. Es ist so lauschig, einfach erholsam und nett an diesem Abend in Thessaloníki. Ein wunderbares Flair hat diese Stadt!


Omorfi Thessaloníki



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