Am Schlusstag unseres Urlaubs, einem Sonntag, möchten wir endlich im Restaurant Los Marfiles, nur wenige Gehminuten von der Wohnung entfernt, zu Mittag essen. Es war uns von unserem Wohnungswirt wärmstens empfohlen worden. Schon seit 1978 werden hier einheimische Gerichte serviert. Touristen verirren sich eher selten hierher. Leider ist es nur bis in den Nachmittag hinein geöffnet, abends jedoch nicht. Die Speisekarte verspricht „einfache, traditionelle Küche mit typischen Gerichten aus der Provinz, Fisch aus der Bucht, Eintöpfen und Fleisch“, womit man auch auf der Internetseite wirbt. Das Restaurant liegt im hinteren Bereich eines kleinen Platzes an der Avenida de La Aurora, der Eingang befindet sich jedoch auf der Rückseite des Gebäudekomplexes, an der schmalen Calle Babel. Als wir uns am frühen Nachmittag dort annähern, hören wir das Klappern von Besteck und das Plätschern vielfältiger Gespräche aus dem Außenbereich des Restaurants. Noch während ich vergeblich nach einem Platz für uns beide schaue, sehe ich ein älteres Paar den Laden verlassen und hoffe auf deren Tisch im Innenbereich. Es ist der noch einzige freie Tisch, mitten im Lokal. Von hier aus hat man alles voll im Blick: auf der einen Seite den langgezogenen Tresen, auf der anderen den Raum im größeren, hinteren Bereich, dessen Tische komplett von einer fröhlichen, betreuten Seniorengesellschaft besetzt sind. Irgendwann, nach deren Mittagsmahl, wird ein Kuchen serviert, ein Ständchen dargebracht, und die betagte Jubilarin bläst die Kerzen aus. Die Stimmung ist gut, ja fast ausgelassen. Im Außenbereich haben Familien und eine größere Gesellschaft die Tische zusammengerückt und genießen an diesem entspannten Sonntagmittag ihr üppiges Mahl im Kreise ihrer Lieben. Einzelne Besucher speisen lieber gerne am Tresen, einer neben dem Anderen, wie in den USA. Wer nicht will, bleibt nicht alleine. Andere wiederum warten am Ende des Tresens in einer kleinen Schlange geduldig auf das bestellte Essen zum Mitnehmen. Während die vielen Bediener die Finger rund gehen lassen und als eingespieltes Team versuchen, allen Wünschen der Gäste schnellst möglich gerecht zu werden, wundern wir uns über deren Geschwindigkeit, ohne jedoch Hektik zu verbreiten. Auch wir werden formvollendet bedient. Gut, dass die Speisekarte auf Spanisch/Englisch ist. Zwar wurde uns ein bestimmter Kellner zugeteilt, weil er ein wenig Englisch spricht, doch insgesamt läuft die Betreuung auf Spanisch und mit Zeichensprache. Wir genießen die Atmosphäre unter den Einheimischen in dieser Nachbarschaft ein weiteres Mal über alle Maßen und sind sehr froh, dass wir die einzigen Touristen hier sind und von der fruchtbaren Schrammelmusik im Touristenviertel verschont bleiben. Am Tresen ist es mittlerweile etwas ruhiger geworden, weil die Schlange der Essensabholer nun verschwunden ist. Langsam leert sich auch das Lokal, denn es wird um fünf Uhr schließen. Die Kellner sind schon mit dem Aufräumen beschäftigt und werden froh sein, dass morgen Ruhetag ist. Erstaunlich, wie gut gelaunt und scherzend sie trotz aller Konzentration Hand in Hand arbeiten und alle Wünsche recht zügig bedient werden. Man hört kein Geschrei oder Gepolter, sondern erlebt nur emsige Geschäftigkeit. Ich habe wirklich großen Respekt vor dieser Leistung. Unser Essen war wundervoll. Samt Nachttisch und Espresso haben wir weniger als 20 Euro pro Person bezahlt. Wo gibt es solche Preise sonst noch? Offensichtlich können sich aber auch die Leute im Viertel, deren Geldbörsen eher schmal sind, hier ein Sonntagsessen leisten. ![]() Zwei unterhaltsame Stunden haben wir im Los Marfiles zugebracht, als wir kurz nach vier Uhr ein letztes Mal unter den Jacaranda-Bäumen hindurch in Richtung Unterkunft gehen. Ein wenig Wehmut begleitet uns, weil der Urlaub sich dem Ende zuneigt. Zeit, ein Fazit zu ziehen. Wenn auch zunächst ungewollt, haben wir gut daran getan, unser Programm komplett abzuspecken und uns in der zweiten Woche auf kleinere Besichtigungen in Málaga zu konzentrieren. Besonders gut hat uns die Atmosphäre in unserem Wohnviertel gefallen, insbesondere die selbstverständliche Freundlichkeit der Hausbewohner und die Achtsamkeit, mit der man sich begegnet. Weiterhin die Sauberkeit überall in der Stadt, wo auch immer wir uns aufgehalten haben. Außerdem die zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten in der unmittelbaren Umgebung unserer Unterkunft wie auch die Wohnung selbst. Sehr positiv ist uns die fortgeschrittene E-Mobilität und die dadurch bedingte Geräuscharmut des Verkehrs aufgefallen, die extra Roller-/Radspuren, keine hingerotzten Leihroller und das durchdachte, eng getaktete, preiswerte Nahverkehrssystem. Alles zum Wohle der Bürger. Es läuft und funktioniert einfach, wohl auch, weil alle daran teilhaben und mithelfen. So zumindest der Blick von außen. Was das Anmieten einer Ferienwohnung angeht, bin ich zwiegespalten. Einerseits bin ich kein Fan davon, zwei Wochen lang mitten im Touristenpulk zu wohnen. Zu laut, zu wenig Ruhe. Dann lieber am Rande des Geschehens. Eine Hotelunterkunft mit den Möglichkeiten, wie wir sie hatten, insbesondere die beiden Schlafräume, wäre sehr teuer geworden. Eine private Unterkunft mitten unter Einheimischen hat uns dagegen einen unschätzbaren Einblick in die Lebensgewohnheiten und den Umgang untereinander gewährt. Das gehört meiner Meinung nach zur Essenz einer Reise dazu. Ansonsten kann ich nämlich beliebige Orte und Strände besuchen, sie wären alle austauschbar. Auch später noch erinnern wir uns gerne an kleine Begebenheiten hier im Viertel zurück, wie meine Versuche, mit DeepL auf der Straße nach Informationen zu fragen, oder die netten Begegnungen mit unseren Nachbarn im Haus. Gleichwohl habe ich ein angemessen schlechtes Gewissen, denn eine Wohnung in einer solchen Wohnanlage würde wahrscheinlich sinnvoller an eine einheimische Familie vermietet. Andererseits kann ein Wohnungseigentümer mit seiner Wohnung machen, was er will. In Málaga hat sich, wie auch in anderen Landesteilen Spaniens, mittlerweile Unmut gegen die Kurzzeitvermietung zahlloser möblierter Wohnungen an Touristen geregt. Ich denke allerdings, dass diese das falsche Ziel der Protestierer sind. Gewerbliche Kurzzeitvermieter, die zum Beispiel selbst Wohnungen anmieten und diese dann teurer vermieten, richten hier den größeren Schaden an. In Málaga werden in der Konsequenz seit Sommer 2025 jedenfalls für die nächsten drei Jahre keine neuen Lizenzen mehr für Touristenwohnungen vergeben. Außerdem werden spanienweit über 50.000 illegal vermietete Wohnungen von den Online-Plattformen gestrichen, 8.000 davon allein in Málaga. Parallel zu diesen Maßnahmen soll ein Konzept erarbeitet werden, das allen Beteiligten gerecht wird. Was nehme ich darüber hinaus persönlich von unserer Reise mit? Rundum hat mirs der zweitägige Ausflug nach Granada mit der Besichtigung der Alhambra gefallen. Ich könnte mir sogar vorstellen, dies zu wiederholen. Ins vielgepriesene Córdoba müsste ich so schnell jedoch nicht noch einmal. Und wenn, dann nur an einem normalen Wochentag und mit selbst mitgebrachtem Trinkwasser. Allerdings stellte für mich persönlich der Aufenthalt in der Mezquita-Catedral wiederum ein einzigartiges Erlebnis dar. Nur alleine für diese Besichtigung ist Córdoba meines Erachtens doch eine Reise wert. Ein wenig schade finde ich es schon, dass wir die anderen Orte nicht, wie geplant, besuchen konnten, doch im Nachhinein denke ich, dass diese Pläne für unsere Verhältnisse sowieso ein wenig zu ambitioniert waren. Die ruhigeren Tage im schönen Málaga haben uns dagegen sehr gut getan. Insbesondere unser Wohnviertel mit den blühenden Jacaranda-Bäumen haben wir sehr genossen. Auch die Museumsausstellungen fanden wir sehr sehenswert. Besonders gefallen hat uns der ruhige, sonnige Strandtag in Pedregalejo. Man könnte sich sogar überlegen, bei einem weiteren Aufenthalt hier Quartier zu beziehen, denn für Ausflüge mit dem durchgehenden Bus ins Stadtzentrum benötigt man gerade einmal eine halbe Stunde. Negativ bleiben mir in Málaga leider die rauen Erlebnisse mit einigen penetranten Straßenverkäufern in Erinnerung, insbesondere beim Aufstieg zum Castillo de Gibralfaro. Und einige merkwürdige Gestalten im ansonsten wunderschönen Parque de Málaga. Das war mir für die kurze Zeit etwas zu viel. Alles andere war aber top! Uns ist bewusst, dass wir vom vergleichsweise großen Andalusien nur einen kleinen Ausschnitt mitbekommen haben. Gerne würde ich wieder einmal dorthin reisen, um mehr zu sehen: eine Städtereise nach Sevilla wäre bestimmt toll, vielleicht sogar eine kleine Rundreise durch die Weißen Dörfer (mit Ronda) und der Besuch weiterer, einzelner Orte wie Jerez oder Cadiz, auch Gibraltar/Tarifa. Nur nicht zu viel auf einmal... |