Wir waren dabei:

Pallas-Theater, Athen
26. Januar 2013


Resitál
mit
Marinélla
Kóstas Hatzís




Hinweis: Alle im Folgenden verwendeten Videos von YouTube beziehen sich nicht auf die Konzertreihe von 2013, sondern stammen von unterschiedlichen Solo- und gemeinsamen Auftritten von früher und aus der heutigen Zeit.


Kóstas Hatzís und Marinella - zwei Ausnahmekünstler

Es war kein Zufall, auf jeden Fall jedoch sehr außergewöhnlich, dass sich ausgerechnet Marinella und Kóstas Hatzís 1976 zu ihrem Projekt „Resitál“ zusammenfanden, das eines der erfolgreichsten in der Musikgeschichte Griechenlands werden sollte.
Außergewöhnlich, weil beide aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen kamen und man aufgrund ihres musikalischen Backgrounds nicht mit einer Zusammenarbeit rechnen konnte.

Kóstas Hatzís, 1936 in Livadhiá (Mittelgriechenland) geboren, war seit seiner Jugend der Musik verhaftet, als er mit seinem Vater, einem bekannten Santour-Spieler gemeinsam auftrat. 1957 zog Kóstas nach Athen, um seine Musik einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dort war er ein Fremder unter Fremden, gehörte einer Minderheit an, so wie viele andere auch.
Die ersten Jahre verliefen für ihn insbesondere wirtschaftlich sehr schlecht. Aber auch menschlich erlebte er viele Enttäuschungen. Es ist davon auszugehen, dass seine Musik auch aufgrund seiner Herkunft abgelehnt wurde. Seit seiner Kindheit hatte er mit Ignoranz und Ausgrenzung zu tun, wurde er als „Jíftos“ oder „Tzingános“ abgestempelt. Mit Zigeunern wollte man auch damals nichts zu tun haben. Aber gerade dieser Umstand veranlasste ihn dazu, Unmenschlichkeit, Rassismus und Ausgrenzung auch zum Thema seiner Balladen zu machen.
Sein virtuoses Gitarrenspiel und die Texte, die er auf eine sehr eindringliche Art vortrug, machten aus ihm einen Künstler, den es so nicht noch einmal gab.
In den 60er Jahren wurden namhafte Komponisten, wie Theodorákis, auf ihn aufmerksam, die ihn förderten und ihm dadurch zu einem Maß an Bekanntheit verhalfen, dass er Auftritte erhielt und schließlich nicht nur von der Musik leben konnte, sondern sich als Musiker einen längst verdienten Namen machte.
Damals spielte er in sogenannten Bouáts (gesprochen: bou’ats; aus dem Französischen boîte). Genau so sahen diese Lokale auch aus, wie kleine Schachteln, in denen man sich bei schummrigem Licht zum Kunstgenuss traf. In manchen gab es noch nicht einmal Stühle, man saß einfach auf dem Boden. Der künstlerische Vortrag stand dabei im Mittelpunkt, nicht der Konsum von Essen und Getränken. Wobei es durchaus passieren konnte, dass man am Ende in der Bouát, in der Kóstas spielte, noch ein Süppchen erhielt.
Es war die Zeit des Néo Kíma, also der Neuen Welle. Damit wurde eine Musikrichtung bezeichnet, die die eingefahrenen musikalischen Routen verließ und mit kritischen Texten das politische Lied kultivierte. Es war der Beginn der Musik der Liedermacher und der Balladen, nicht nur in Griechenland, und die Bouáts in der Pláka von Athen stehen genau dafür.
Besonders hart traf Kóstas die Zeit der Junta (1967 – 1974), da er mit den Texten seiner Lieder ständig für Aufsehen sorgte und aneckte. In dieser Zeit kreuzte sich sein Weg mit einer Frau, die auf ihre Weise ebenfalls Widerstand leistete, die Journalistin Sótia Tsótou, deren Vater von deutschen Besatzern als Kämpfer der ELAS exekutiert und deren restliche Familie auf das Schärfste verfolgt worden war.
Sie wuchs aufgrund dessen bei einer angesehenen Athener Familie auf, die ihr eine gute Bildung und ein Hochschulstudium ermöglichten, doch die frühen Erlebnisse konnte sie nicht vergessen. Für die linke Zeitung „Eleftheria” schrieb sie bis zur Machtübernahme durch die Junta als Journalistin. Nach 1967 war dies nicht mehr möglich, doch sie fand ihren Ausdruck im Texten von Liedern. Viele davon wurden von Kóstas Hatzís vertont und interpretiert. „Wenn ich 100 Lieder komponiert habe, dann gehören vom Text her mindestens 80 davon ihr“, sagte er einmal.
Lieder wie Η Γη ακόμα ζει gehören mit zu dem riesigen Schatz an wundervollen Balladen, die von leidenschaftlicher Liebe, anrührend über menschliches Leben oder von Ungerechtigkeit erzählen, aber auch optimistisch die Zukunft erträumen oder beschwören.

Η Γη ακόμα ζει
Πριν από χρόνια σ’ ένα μακρινό μου ταξίδι
σε μια έρημη ακτή κάπου στην Αφρική
συνάντησα έναν ταξιδιώτη από άλλον πλανήτη
που μέσα στο διάστημα είχε χαθεί

Με ρώτησε πώς το λένε αυτό το αστέρι
που από κακή του τύχη είχε βρεθεί
Του είπα είναι ο τρίτος πλανήτης από τον ήλιο
και πώς εμείς τον λέμε Γη

Με κοίταξε με αληθινή απορία
μου είπε νόμιζε πώς ο πλανήτης αυτός είχε χαθεί
τα μακρινά τους αστεροσκοπεία
είχαν σημειώσει μια μεγάλη καταστροφή

Τότε του μίλησα για τη Χιροσίμα και για το Ναγκασάκι
μ’ έπιασε το παράπονο κι έκλαψα σαν παιδί
Του είπα 6.000 χρόνια οι άνθρωποι πολεμάνε, κύριε
άνθρωπος μ’ άνθρωπο, λαός με λαό μαζί
Του είπα 6.000 χρόνια οι άνθρωποι πολεμάνε, κύριε
αλλά η γη ακόμα ζει ακόμα ζει, ακόμα ζει

Αυτός μου μίλησε για το μακρινό του πλανήτη
Μου είπε πως τον κυβερνάνε 12 σοφοί
Μετά με ρώτησε για τις δικές μας κυβερνήσεις
πόσοι σοφοί κυβερνάνε τη γη

Εδώ του είπα είναι αλλιώς τα πράγματα, κύριε
δεν κυβερνάνε πάντοτε σοφοί
Πολλές φόρες κυβερνάνε οι αλητήριοι
αρκετές φόρες κυβερνάνε κι οι τρελοί

Τότε του μίλησα για το Νέρωνα και για τον Χίτλερ
για τα στρατόπεδα συγκεντρώσεως και για τους ναζί
του είπα πώς σκοτώνανε οι ΕΣ ΕΣ τους ανθρώπους
χίλιους χίλιους σαν τα πρόβατα, κύριε
αλλά η γη ακόμα ζει, ακόμα ζει, ακόμα ζει

Κοίταξε γύρω του τη θάλασσα, τα πανέμορφα δάση
Μου είπε είναι το πιο όμορφο αστέρι που έχω δει
Με ρώτησε αν μπορούσε να κόψει ένα κλωνάρι από ένα δέντρο
και μια πέτρα να πάρει μαζί του για να θυμάται τη Γη

Πήρα την πέτρα από τα χέρια του
και τη φίλησα με αγάπη
Απόρησε και με ρώτησε γιατί
Του είπα δεν υπάρχει μια πέτρα σε αυτόν τον πλανήτη, κύριε
ανθρώπινο αίμα να μην έχει ποτιστεί
Πολύ αίμα έχει χυθεί εδώ πάνω, κύριε
αλλά η γη ακόμα ζει, ακόμα ζει, ακόμα ζει
Die Erde lebt noch
Vor Jahren während einer meiner Fernreisen,
an einem einsamen Strand irgendwo in Afrika
traf ich einen von einem anderen Planeten stammenden Reisenden,
der sich im Weltraum verirrt hatte.

Er fragte mich, wie man diesen Stern nennt,
auf dem er sich unglücklicherweise wiederfand,
Ich sagte ihm, es ist der dritte Planet von der Sonne,
und wir nennen ihn Erde.

Er schaute mich sehr erstaunt an.
Er erzählte mir, er habe gedacht,
dass dieser Planet verloren sei,
ihre Teleskope hätten eine riesige Katastrophe festgestellt.

Dann erzählte ich ihm von Hiroshima und Nagasaki,
ertappte mich, wie ich klagte und wie ein Kind weinte.
Ich sagte zu ihm, 6000 Jahre lang bekriegen sich die Menschen,
mein Herr, Mensch gegen Mensch, Volk gegen Volk.
Ich sagte zu ihm, 6000 Jahre lang bekriegen sich die Menschen,
mein Herr, doch die Erde lebt noch, sie lebt noch, sie lebt noch.

Er sprach zu mir über seinen fernen Planeten
Er sagte mir, er würde von 12 Weisen regiert.
Dann fragte er mich nach unseren Regierungen,
wie viele Weise die Erde regierten.

Ich entgegnete ihm, hier, mein Herr,
sind die Dinge anders.
Es regieren nicht immer die Weise,
oft regieren Herumtreiber, und oft auch Verrückte.

Dann erzählte ich ihm von Nero und Hitler
Über die Konzentrationslager und die Nazis
Ich beschrieb ihm, wie die SS Menschen tötete,
zu Tausenden, wie Schafe, mein Herr.
doch die Erde lebt noch, sie lebt noch, sie lebt noch.

Er schaute sich um und sah das Meer und die schönen Wälder,
er sagte mir, es ist der schönste Stern, den ich je gesehen habe.
Er fragte, ob er einen Ast von einem Baum brechen
und einen Stein mitnehmen könne,
um sich an die Erde zu erinnern.

Ich nahm ihm den Stein aus der Hand
Und küsste ihn mit Liebe.
Er wunderte sich und fragte, warum.
Ich sagte ihm, es gibt nicht einen Stein auf diesem Planeten, mein Herr,
der nicht von menschlichem Blut getränkt ist.
Viel Blut ist hier vergossen worden, mein Herr,
doch die Erde lebt noch, sie lebt noch, sie lebt noch.


Eine ganz andere persönliche Geschichte erlebte Marinella, 1938 in Thessaloniki als Kyriakí Papadopoúlou in eine Großfamilie geboren. Schon früh als Jugendliche entdeckte sie ihre Affinität zum Theater, doch ihren riesigen Erfolg verdankt sie ihrer unvergleichlichen Stimme. Bereits 1957, im Alter von 19 Jahren, veröffentlichte sie ihre erste Platte Nitsa, Elenitsa. Durch eine intensive Zusammenarbeit mit Stélios Kazantzídis, der in Griechenland wie ein Gott verehrt wurde und bis heute noch wird, und mit dem sie in den Sechzigern zwei Jahre lang verheiratet war, wurde sie an seiner Seite als Duettpartnerin zum Star.
Doch ihre eigene, steile Solokarriere begann erst ab etwa 1970. Meilensteine sind 1974 die Teilnahme am Eurovision Song Contest, wo sie mit Krasi, thalassa kai t' agori mou Platz 11 belegte.
Es folgten Soloauftritte und Kooperationen mit namhaften Künstlern wie Dalaras, Remos oder Makedonas und vielen anderen. Nicht zu vergessen ist auch ihr Auftritt bei der Schlusszeremonie der Olympischen Spiele von Athen 2004. Ihre Schaffenskraft umspannt mittlerweile um die 70 Alben. Neben verschiedenen musikalischen Stilrichtungen brachten sie auch ihre Teilnahmen an Musicals wie Marinella und Chicago während der letzten Jahre wieder mehr zum Theater. Unwiderruflich mit ihr verbunden bleibt jedoch ihr Lied Anixe Pétra.



RESITAL 1976 - wie es begann

1968 lernten Marinella und Kóstas Hatzís sich persönlich kennen. Er spielte damals seine Balladen in einer Bouát namens Karyátis in der Pláka, sie trat in einem großen Zentrum neben anderen bekannten Künstlern auf und präsentierte eher leichte Musik (Elafrá).

Schon damals entstand die Idee einer Zusammenarbeit, doch es sollte Jahre dauern, bis man ein gemeinsames künstlerisches Konzept fand. Es war nicht so sehr das Drumherum, sondern es waren die Texte, die Kostas sang, und mit denen Marinella zunächst Probleme hatte, denn es war die Zeit während der Diktatur in Griechenland und damit auch der Zensur. Marinellas Zögern kann man gut verstehen, denn nicht nur während der Juntazeit, sondern auch in den Jahren nach Ende der Diktatur existierten in der Gesellschaft immer noch viele Ängste und Unsicherheiten. Irgendwann überlegte sie es sich jedoch und erklärte sich bereit, Kostas’ Lieder zu singen.
Die Überwindung all der Widersprüchlichkeiten führte schließlich ab Ende 1975 zu den Proben für das Konzert. Doch man hatte nur wenig Zeit, diese dem Publikum bisher vollkommen unbekannten, neuen Lieder einzustudieren. Es waren immerhin fünfzig an der Zahl. Schließlich wurde für den 28. März 1976 ein einziges Konzert angesagt.

Es war die Neugier auf das Neue, die die Menschen in einer langen Schlange vor der Bouát Skorpiós vor Konzertbeginn warten ließ, doch nicht alle fanden am Ende einen Platz, denn Tischreservierungen gab es hier nicht. Gegen 21.00 Uhr begann das Konzert zunächst mit Kóstas, der das erste Lied vortrug und sich dabei auf seiner Gitarre begleitete. Danach betrat Marinella die Bühne.
Wie ein Zeitzeuge bei ogdoo.grschreibt, wirkte Marinella fast ängstlich, doch verständlich, denn sie befand sich vor einem ihr fremden Publikum. „Doch da steht der Zigeuner mit dem großen Herz, der sie mit seinen Blicken und seinem Lächeln zärtlich umarmt, als ob er sagen würde: Ich bin neben dir, ich bin ich, du bist du, wir sind alle zusammen und mit dem Publikum eins..."

Das Konzert selbst wurde tontechnisch mitgeschnitten. Im Studio fand jedoch keine Nachbearbeitung statt; Szenen, in denen man beispielsweise hört, wie ein Glas auf dem Boden zerspringt, oder Zwischenrufe des Publikums, sind ungeschnitten in die Aufnahme eingegangen. Auch dies war etwas Besonderes, denn Lifekonzerte wurden und werden auch heute im Studio entsprechend aufgepeppt. Die Aufnahmen wurde als Dreifach-LP unter dem Namen Resitál auf den Markt gebracht, wo sie auf Anhieb 300.000 Exemplare verkaufte, ein sensationeller wirtschaftlicher Erfolg.

Nach diesem einen Konzert trennten sich die künstlerischen Wege der beiden zunächst, doch in den Jahren danach traf man sich immer mal wieder. 1980 wurde die Platte Tam-Tam aufgenommen, und 1987 Synándisi. Auch aus dem Jahr 1993 gibt es Aufnahmen, in denen man sieht, wie viel Freude ihnen die Zusammenarbeit bereitet.


Konzertbericht RESITAL 2013

Im Dezember 2012 waren wir auf eine Konzertreihe mit Marinella und Kostas Hatzís mit dem Titel Resitál aufmerksam geworden. Nur wenige Konzerte waren angesetzt, vom 25. Januar bis zum 3. Februar 2013. Da es uns bisher nie geglückt war, einmal zufällig, während eines Urlaubsaufenthaltes in Griechenland, zu einem ihrer Solokonzerte zu kommen, und uns die Besonderheit dieses gemeinsamen Auftritts nach all den Jahren faszinierte, beschlossen wir spontan, uns Tickets zu besorgen und für ein Wochenende nach Athen zu fliegen.

***

Im prasselnden Regen finden wir uns etwa eine halbe Stunde vor Beginn (so wie damals ist der Konzertbeginn für 21.00 Uhr angesetzt) am Pallas Theater, in der Voukarestíou-Straße (Syntagma-Platz) ein.
Es ist das zweite Konzert in dieser Reihe, die Premiere am Abend zuvor war schon seit längerem ausverkauft. Auch für die Veranstaltung heute waren keine Karten mehr erhältlich. Unermüdlich bringen Angestellte des Theaters die Ankömmlinge zu ihren Plätzen – unsere befinden sich in der achten Reihe mit einer guten Sicht auf die Bühne.
Das Publikum ist vielschichtig: da kommt ein Vater mit seinen zwei jüngeren Söhnen; eine aufgebrezelte Frau umrundet alle Sitzblöcke, um dann irgendwo an der Seite Platz zu nehmen. Ob schick-durchgestylt oder lässig in Jeans, das Konzert zieht offenbar Interessierte ganz unterschiedlicher Couleur an.

In einer Durchsage werden wir darauf hingewiesen, dass bitte alle Handys ausgeschaltet werden sollen und das Fotografieren, ob mit oder ohne Blitz, oder Tonaufnahmen verboten sind. Kein Problem, wir sind ja des Musikgenusses wegen gekommen. Offenbar haben sich alle daran gehalten, denn bei YouTube gibt es nur offizielle Hinweise auf dieses oder die anderen Konzerte in diesem Turnus.

Einige Nachzügler quetschten sich noch durch die Reihen, doch kurz nach 21.00 Uhr verlischt das Licht und das aufgeregte Summen und Brabbeln des Publikums verebbt.
Kraftvolle Gitarrenmusik erklingt – virtuos und aufregend vorgetragen, ein weißer Lichtspot auf die über die Saiten rührende Hand, ein Raunen im Publikum – diese Überraschung ist gelungen. Als Kóstas Hátzis seine Stimme hinzufügt, erfasst der Lichtkegel auch ihn. Applaus brandet auf, schon jetzt, die Freude muss heraus!

Kóstas allein auf der Bühne, vor einem dunklen Vorhang, alles auf ihn konzentriert. Sein Gitarrenspiel schnell und eindringlich, seine Stimme den kritischen Texten seiner Lieder angepasst.
Thymáme (Ich erinnere mich), vom Titel her ein passender Beginn; der Text nimmt uns mit in eine Kindheit, in der man in den Träumen alles erreichen konnte, die jedoch durch das Leben selbst nicht mehr wiederbelebt werden können.

Θυμάμαι
Όταν ήμασταν παιδιά
τα όνειρα που κάναμε
θυμάμαι.
Νομίζαμε με μια δρασκελιά
τον ουρανό θα φτάναμε
Θυμάμαι.

Μας άρεσε να είμαστε αρχηγοί
και υπηκόους ζητούσαμε
θυμάμαι.
Χωρίζαμε στα δυο την αυλή
και πάντα εμείς νικούσαμε
θυμάμαι.

Μια μέρα ξάφνου η ζωή
μας έριξε σκληρά στην βιοπάλη
Τα παιδικά τα όνειρα ποτέ
δε θα γυρίσουν πάλι.

Γύρω σου κοίτα ένα πρωί
για λίγο φτωχικό φαΐ
οι άνθρωποι παιδεύονται
Μα ούτε λέξη όμως να μη πεις
τα βάσανα είναι για μας
ασ’ τα παιδιά να ονειρεύονται.
Ich erinnere mich
Als wir Kinder waren,
an die Träume, die wir hatten,
ich erinnere mich.
Wir dachten, mit einem Sprung
den Himmel erreichen zu können,
ich erinnere mich.

Uns gefiel es, Mannschaftskapitän zu sein
und suchten nach Mannschaftsmitgliedern,
ich erinnere mich.
Wir haben uns den Hof aufgeteilt,
und immer haben wir gesiegt,
ich erinnere mich.

Eines Tages hat uns das Leben plötzlich
in den harten Überlebenskampf geworfen.
Die Kindheitsträume
werden nie wieder zurückkehren.

Schau dich eines frühen Morgens um.
Für einen ärmlichen Teller Essen
quälen sich die Menschen.
Aber sag' nicht mal ein Wort.
Die Leiden sind für uns.
Lass’ die Kinder träumen.


Dieses erste ist eines von 53 Liedern, die an diesem Abend vorgetragen werden, genauso wie damals, jedoch mit dem Unterschied, dass die Lieder damals alle neu waren. Heute, nach Jahrzehnten der Bühnenerfahrung spürt man dennoch die Aufregung, nicht als Lampenfieber, sondern als den Wunsch, ja den Drang, sich mitzuteilen. Kóstas’ Befreiung auf der Bühne ist spürbar. Das Heraufbeschwören des damaligen Konzertes war nicht nur Propaganda im Vorfeld (wobei die griechischen Medien zumindest im Internet sehr kurzfristig alle irgendwie dasselbe schrieben). Es ist insbesondere die Erinnerung an einen Teil seiner eigenen Geschichte, als ihm künstlerisch ein großer Schritt auf der Leiter nach oben gelang.
Doch zurück ins Jahr 2013. Wie Kóstas da eins mit sich und seiner Gitarre auf der Bühne sitzt, verkörpert er selbst dieses Dritteljahrhundert; es sind seine Lieder, die er fast alle komponiert hat. Es ist seine Musik, zu der er Marinella eingeladen hat.
In den ausgewählten Texten hat er soviel mitzuteilen. Er röhrt, und dröhnt, seine Töne sind zwischenzeitlich zärtlich und dann wieder ausdrucksstark, laut und eindringlich, ein Wechselbad der Gefühle. So nimmt er den Zuhörer mit auf seine Reise, die hart erarbeitet werden musste, die viel Kraft erforderte, gegen die Vorurteile, die ihm aufgrund seiner Herkunft immer wieder entgegengebracht wurden, anzukommen. Doch die Texte sind nicht anklagend, kein wehleidiges Gejammer, sondern ein Feststellen, eine Herausforderung und immer wieder das WIR, das Gemeinsame, in den Vordergrund stellend, indem der Zuhörer sich in den Texten wiederfinden kann.
Und so bringt Kóstas ein Lied nach dem anderen dar, sie gehen ineinander über. Das Publikum findet kaum Zeit, ihm mit seinem Applaus seine Wertschätzung zu zeigen, als schon die Töne des nächsten Liedes erklingen.

Nach einer Weile ändert sich die Beleuchtung auf der Bühne. Sichtbar wird ein dünner, durchsichtiger Vorhang, und dahinter, aufrecht mit ausgebreiteten Armen eine Silhouette: Marinella – unverkennbar. In dem Moment, als der Vorhang hochgezogen wird und sie die Bühne betritt, wird die Kraft ihrer Persönlichkeit spürbar. Die Zuhörer klatschen begeistert. Langsam senkt sie die Arme; in dem Maße, wie daraufhin der Vorhang hinter ihr wieder herabgelassen wird, verebbt auch der Beifall.
Auf einem hohen Hocker neben Kóstas nimmt sie Platz. Kóstas sitzt nun seitlich zum Publikum, die Augen auf sie gerichtet, als ob er ihren Gesang „lediglich“ begleiten würde. Seine Gitarrenkunst und seine Stimme umfassen jedoch ihre gesangliche Darbietung, und so entsteht etwas Neues, Großartiges.

Marinellas Leidenschaft für das Theater kommt merklich zum Vorschein, als es neben der musikalischen Darbietung auch kleine, humorvolle Überleitungen und schauspielerische Elemente zwischen den Liedern gibt. Damals, 1976, war es sicherlich anders, wohl ernsthafter, vielleicht auch ängstlicher, weil man nicht wusste, wie das Publikum regieren würde. Auch die Gesellschaft war eine andere, und die technischen Möglichkeiten.

Die Frage im Vorfeld zu Resitál 2013 war, ob man die heimelige Atmosphäre einer Bouát in ein großes Theater übertragen kann. Unserer Meinung nach kann dies gelingen, wenn die Intensität des künstlerischen Vortrags und die Neugier und Begeisterung des Publikums aufeinandertreffen, wie es an diesem Abend geschah.
Zwischenapplaus und zaghafte Versuche des Publikums, verschiedene Lieder, die über die Jahre Kultstatus erreicht haben, mitzusingen, zeigten, dass nicht nur uns der Auftritt berauschte. Dabei war auch eines der schönsten Liebeslieder, die es gibt:

Σ’ αγαπώ
Σ’ αγαπώ όπως η μάνα το παιδί
όπως η φλόγα το δαδί
όπως ο γέρος τη ζωή που τον αφήνει,
σ’ αγαπώ όπως η άβυσσος το φως
όπως τα όνειρα ο φτωχός
κι ο κουρασμένος στρατιώτης την ειρήνη.

Δεν έχω τίποτ’ άλλο, είμαι μια φωνή
είμαι δυο χέρια αδειανά που σε τυλίγουν
μα σ’ αγαπώ και κοίτα, ανοίγουν οι ουρανοί
οι ουρανοί που τόσο δύσκολα ανοίγουν.

Σε ζητώ όπως το χώμα τη βροχή
όπως το γέλιο η ψυχή
κι οι οδοιπόροι τα βαθύσκιωτα πλατάνια,
σε ζητώ όπως το χιόνι η φωτιά
ο πονεμένος τη γιατρειά
και η μεγάλη αμαρτία, αχ, τη μετάνοια
Ich liebe dich
Ich liebe dich, wie eine Mutter ihr Kind,
wie die Flamme die Fackel.
Wie ein alter Mann das Leben, das ihn verlässt.
Ich liebe dich wie die Unterwelt das Licht
wie der arme Mann die Träume
Und der müde Soldat den Frieden.

Ich habe nichts anderes, ich bin eine Stimme
zwei leere Arme, die dich umarmen.
Aber ich liebe dich, und schau, die Himmel öffnen sich,
die Himmel, die sich so schwer nur öffnen.

Ich suche dich, wie der Boden den Regen,
wie die Seele das Lachen,
und der Wanderer die schattenspendenden Platanen.
Ich suche dich wie das Feuer den Schnee,
wie der Kranke die Heilung,
und die große Sünde, ach, die Reue.

Hier in einer Version von 1993:


Eines der Stücke wird neben der Gitarre auch von einer Violine begleitet. Doch wo kommt diese denn plötzlich her? Ein Spot quer durch den Theaterraum ist wiederum auf den durchscheinenden Vorhang gerichtet und erfasst an der Seite einen Violinisten, im Hintergrund stehend. Als das Lied verklingt, ist auch der Hintergrund wieder dunkel. Eine tolle, für das Publikum immer wieder überraschende Choreographie!
Wir haben gelesen, dass ein ganzes Orchester dort sitzt. Bei etlichen Stücken begleiten sie das Paar auf der Bühne, und wenn der Schlagzeugspieler loslegt, vibriert der gesamte Boden. Daneben gibt es Stücke mit Klavierbegleitung, Blasinstrumenten, Drums, Violine, Cello, Bass, Keyboard und einer weiteren Gitarre, wundervoll arrangiert, im Hintergrund, durch den Vorhang, sichtbar und dann, zwischen den Einsätzen, auch wieder verdeckt.
Eine Aufführung im Theater bietet den Vorteil, viele Gestaltungsmöglichkeiten für ein Bühnenbild nutzen zu können. An einer Stelle werden von der Decke über der Bühne Gegenstände an Schnüren herabgelassen und in verschiedenen Höhen angehalten. Was kann das sein? Alte Mikrophone, klobig und groß, wie man sie früher benutzte, und kurze Zeit später verwandeln sie sich in einfache Leuchtkörper, die die Bühne von oben sanft bescheinen.
Manchmal wird die musikalische Darbietung auch durch andere Lichteffekte unterstützt, doch diese sind niemals im Vordergrund, sondern beleuchten Bühne oder Zuschauerraum nur durch ein warmes Licht. Im Vordergrund bleibt immer die Musik. Marinella und Kostas singen, jeder für sich, beide zusammen und alle sind eins. So war es früher, und so ist es heute.
Kaum zu glauben, dass die erste Hälfte schon vorbei ist, so unterhaltsam und kurzweilig war das Programm bisher. Die Künstler verabschieden uns in eine etwa halbstündige Pause.

***

Die zweite Hälfte beginnt mit Kóstas’ Ankündigung, dass Marinella nun zunächst alleine das Programm fortsetzen wird, er sie später jedoch wieder auf der Bühne treffen werde.

Marinella ist einfach eine Frau, die auf die Bühne gehört. Ihre unglaubliche Stimme, ihre Erfahrung, ihr Witz, ihr Temperament und ihre Quirligkeit umfassen den Zuhörer und lassen ihn so schnell nicht mehr los. Manchmal sehe ich sie aber auch wie ein kleines Mädchen, das da auf der Bühne steht und sich über jeden Applaus riesig freut und strahlt. Das ist Marinella, wie sie mit ihrem Publikum in einem engen Kontakt steht und kommuniziert. Wir alle lieben sie und ihre Stimme.

H agapi ola ta ipomeni – ein Video von 1993 faszinierte mich schon in den Wochen der Vorfreude. Nicht nur ein Liebesliedchen, eines von Millionen, nein, es geht eben nicht um Jugend und Schönheit, sondern um das Gefühl an sich.

Wenn auch die Texte der vorgetragenen Balladen hauptsächlich von Sótia Tsótou stammten (und einige auch von Fóntas Filéris und Mános Koufianákis), so waren auch gelegentlich einzelne Texte/Kompositionen von anderen Autoren in den Liedern vertreten.
Dazu gehört auch Eisai pantou kai pouthena, ein Lied über eine Liebe, die nicht mehr besteht, deren Hauch jedoch immer und überall zu spüren ist und immer sein wird, ein Lied, das die romantische Seite anspricht, bei dem auch die Zuschauer wieder mitsangen, ein echter Ohrwurm. Dabei trifft Kóstas wieder auf der Bühne mit Marinella zusammen, als sie ihren Part bereits begonnen hat. Wir sind alle hin und weg, wie sie zusammen in der Bühnenmitte stehen, Hand in Hand, und uns mitnehmen.


Mit demselben Maß an Intensität, mit der Kóstas zu Beginn der ersten Hälfte sein alleiniges Bühnenprogramm bestritt, tritt er nun musikalisch bescheiden zur Seite und lässt Marinellas Auftritt hochleben. Seine stimmliche Begleitung und sein Gitarrenspiel, das eine immense Kraft ausstrahlt, gepaart mit Marinellas klarer Stimme wirken einfach grandios. Ich weiß nicht, in welchem Stück Kóstas seine Spielkunst noch überzeugender darbrachte, doch mir ist eine Guitarra Flamenca vom Feinsten in Erinnerung, gefolgt vom Canto des Flamenco-Sängers, mit dem wir uns plötzlich in Andalusien wähnen. (Εχω μία χειροβομβίδα).

Dann wiederum ein ganz anderes Lied, das sich mit Rassismus auseinandersetzt, ein Thema, das an Aktualität nichts eingebüßt hat.
Wir werden jetzt ja nicht mehr „Tzingános“ oder „Jíftos“ genannt, sondern „Rom“, leitet Kóstas ein. Noch einmal wiederholt er diesen Satz, damit wir alle verstehen, was gemeint ist: Ihr könnte uns Minderheiten nennen, wie ihr wollt, auch wenn „Rom" heute politisch korrekt erscheint, doch an den Vorurteilen hat sich kaum etwas geändert. Und ein „Neger“ heißt jetzt „Afro-Amerikaner“ oder einfach „Farbiger“, „Enchromos“, wie auch der Titel des folgenden Liedes. Der Text stammt von dem Gedicht eines achtjährigen, afrikanischen Jungen, das im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zum Gedicht des Jahres gekürt wurde, und von Kóstas mit leiser Gitarrenbegleitung vorgetragen wird.

Ο Έγχρωμος
Όταν γεννιέμαι, είμαι μαύρος
Όταν μεγαλώσω, είμαι μαύρος
Όταν κάθομαι στον ήλιο, είμαι μαύρος
Όταν φοβάμαι, είμαι μαύρος
Όταν αρρωσταίνω, είμαι μαύρος
Κι όταν πεθαίνω, ακόμα είμαι μαύρος

Κι εσύ λευκέ άνθρωπε
Όταν γεννιέσαι, είσαι ροζ
Όταν μεγαλώνεις, γίνεσαι λευκός
Όταν κάθεσαι στον ήλιο, γίνεσαι κόκκινος
Όταν κρυώνεις, γίνεσαι μπλε
Όταν φοβάσαι, γίνεσαι κίτρινος
Όταν αρρωσταίνεις, γίνεσαι πράσινος
Κι όταν πεθαίνεις, γίνεσαι γκρι

Και λες εμένα έγχρωμο;
Der Farbige
Wenn ich geboren werde, bin ich schwarz,
wenn ich aufwachse, bin ich schwarz,
wenn ich in der Sonne sitze, bin ich schwarz,
wenn ich mich fürchte, bin ich schwarz,
wenn ich krank werde, bin ich schwarz,
und wenn ich sterbe, bin ich immer noch schwarz.

Und du, weißer Mensch:
Wenn du geboren wirst, bist du rosa,
wenn du aufwächst, bist du weiß,
wenn du in der Sonne sitzt, wirst du rot,
wenn dir kalt ist, wirst du blau,
wenn du dich früchtest, wirst du gelb,
wenn du krank wirst, wirst du grün,
und wenn du stirbst, wirst du grau.

Und mich nennst du farbig?


Kóstas macht in seinen Konzerten immer wieder auf rassistische Vorurteile, insbesondere gegenüber Sinti und Roma, aufmerksam. Es gibt etliche Lieder, die sich der Thematik widmen, die jedoch am heutigen Abend nicht nur im Mittelpunkt stehen.
Es sind ganz allgemein seine humanistischen Balladen, für die er sich von Beginn seines Schaffens an entschieden hat, und die zum Erreichen eines Bekanntheitsgrades einen ungleich höheren Einsatz erforderten als beispielsweise Laϊká Traghoúdia. Bis heute hat sich daran nichts geändert, wenn man sich die Musiklandschaft anschaut.

Ein weiteres Beispiel aus seinem Repertoire mit einem sehr schönen und optimistischen Text und einem warmen, umarmenden Vortrag:

Όλη η ζωή είναι υπόθεση χαμόγελο

Όλη η ζωή είναι υπόθεσης χαμόγελο
Είναι ένα γεια σου σ’ έναν άγνωστο στον δρόμο
Να σπλαχνιστείς τον κουρασμένο ταχυδρόμο
Ένα νεράκι να προσφέρεις με χαμόγελο
Και δε θα νιώθει το φορτίο του στον ώμο

Να πεις στον πόλεμο δεν πάω
Αλλά με χαμόγελο
Να πεις σε κάποιον χτύπα με Αλλά δε σε χτυπάω
Να πεις σ’ αυτόν που σε μισεί μίσησέ με εσύ
Αλλά εγώ πολύ, πολύ σε αγαπάω


Όλη η ζωή είναι υπόθεσης χαμόγελο
Είναι ένα γεια σου σ’ ένα άγνωστο στο τρένο
Να σπλαχνιστείς τον κουρασμένο ταξιδιώτη
Να τον ρωτήσεις τι συμβαίνει με χαμόγελο
Να δεις τι εύκολοι κι απλοί που ν’ οι ανθρώποι


Να ημερέψεις την ζωή που αγριεύτηκε
Να δεις που όλοι και κανένας μας δεν φταίει
Αν πεις σε κάποιον στην ουρά
πάρ’ την δική μου τη σειρά
Να δεις που όλοι τους θα πάνε τελευταίοι


Εύκολη θα `ναι η ζωή μ’ένα χαμόγελο
Μια καλημέρα στον ανήξερο διαβάτη
Είμαστε όλοι μας φτωχοί
Γυμνοί γεννιόμαστε γυμνοί
Και δεν υπάρχει άλλο ρούχο απ’ την αγάπη
Das ganze Leben ist eine Frage des Lächelns
Das ganze Leben ist eine Frage des Lächelns
Es ist ein „Hallo“ an einen Unbekannten auf der Straße,
einem müden Briefträger ein Gläschen Wasser zu geben, mit einem Lächeln.
Und er wird die Last auf seinen Schultern nicht fühlen.

Zu sagen: In den Krieg ziehe ich nicht,
aber mit einem Lächeln.
Zu jemandem zu sagen: Schlage mich, aber ich schlage dich nicht.
zu dem zu sagen, der dich hasst, hasse mich,
aber ich liebe dich sehr.

Das ganze Leben ist eine Frage des Lächelns
Es ist ein „Hallo“ an einen Unbekannten im Zug,
einem müden Briefträger ein Glas Wasser zu geben
ihn zu fragen, was es gibt, mit einem Lächeln.
zu sehen, wie umgänglich und einfach die Menschen sind.

Das wild gewordene Leben zu beruhigen,
zu sehen, dass jeder und niemand von uns nicht schuldig ist.
Wenn du zu jemandem in der Schlange sagst,
nimm’ doch meine Stelle,
zu sehen, dass sich alle hinten anstellen.

Leicht wird das Leben mit einem Lächeln sein.
Ein „Guten Tag“ an einen unwissenden Passanten.
Wir sind alle arm,
nackt sind wir geboren, nackt,
und es gibt keine andere Bekleidung als die Liebe.


Eines der nächsten Lieder singt Kóstas jedoch nicht auf Griechisch. Marinella fragt ihn hinterher, in welcher Sprache er vorgetragen habe, und Kóstas klärt sie und uns darüber auf, dass das Romani war. Marinella lakonisch: “Das war aber nicht das Romani, was du mir beigebracht hast.“ Dann verschwindet sie kurz von der Bühne, um sogleich wieder mit einem langen roten Dreieckstuch zu erscheinen, das sie sich um die Schulter gelegt hat. Einen Tanz wie der einer Romafrau deutet sie in ihren Bewegungen an, während Kóstas ein weiteres Lied in dieser uns fremden Sprache singt.

Ganz langsam neigt sich die dreistündige Darbietung dem Ende zu. Ein Duett folgt dem anderen, unter anderem auch Μας κόψαν απόψε το φως (Heute Abend haben sie uns den Strom abgedreht)

Μας κόψαν απόψε το φως
δε θα `χει TV ευτυχώς.
ΔΕΗ μας θα είναι απόψε τ’ αστέρια
να φέγγουνε χείλη και λαίμαργα χέρια,
ν’ ανάψει φωτιά αντί φως.

Καλά να τους έχει ο Θεός,
που κόψαν απόψε το φως.

Στα χέρια μου τρέμεις σαν φύλλο
να σ’ έχει καλά ο Θεός.
Θα πρέπει λουλούδια να στείλω
σ’ αυτούς που μας κόψαν το φως.

Καλά να τους έχει ο Θεός,
μας κόψαν απόψε το φως.

Μας κόψαν απόψε το φως
κι η λάμπα σπασμένη ευτυχώς
Αδιάβαστη απόψε η εφημερίδα.
Μας δώσαν απόψε μια νύχτα ελπίδα.

Καλά να τους έχει καλά ο Θεός
που απόψε μας κόψαν το φως.

Απλήρωτος λογαριασμός
κι απόψε μας κόψαν το φως
και όπως βουλιάζει η πόλη στη νύχτα
τους μέσα διακόπτες γυρνάμε και κοίτα!

Τι φως έρωτά μου τι φως!
Καλά να μας έχει ο Θεός
που κόψαν απόψε το φως.
Heute Abend haben sie uns den Strom abgedreht
Glücklicherweise gibt es kein Fernsehen
Unsere Stromgesellschaft sind heute Abend die Sterne,
um Lippen und gierige Händen zu bescheinen,
um Feuer anstelle von Licht zu machen.

Gott soll ihnen gewogen sein,
die uns heute Abend den Strom abgedreht haben.

In meinen Händen zitterst du wie Laub.
Gott soll gut mit dir sein.
Ich muss denen Blumen schicken,
die uns heute Abend den Strom abgedreht haben.

Gott soll ihnen gewogen sein,
die uns heute Abend den Strom abgedreht haben.

Heute Abend haben sie uns den Strom abgedreht.
Und die Lampe ist glücklicherweise kaputt
Die Zeitung bleibt ungelesen.
Uns gaben sie heute Abend eine Nacht der Hoffnung.

Gott soll ihnen gewogen sein,
die uns heute Abend den Strom abgedreht haben.

Unbezahlte Rechnung,
und heute Abend haben sie uns den Strom abgedreht.
Und so wie die Stadt in die Nacht versinkt,
tätigen wir die inneren Schalter und schau!

Welches Licht, meine Leidenschaft, welches Licht!
Uns soll Gott gewogen sein,
gut, dass sie uns heute Abend den Strom abgedreht haben.

Als der Auftritt der beiden zu Ende ist, genießen sie den Applaus. Das Publikum hat sich dabei von den Plätzen erhoben. Marinella wird von Kóstas nach vorne geschoben, auch er applaudiert ihr. Mit der Geschwindigkeit, mit der die Griechen dann das Theater verlassen, hätte ich nicht gerechnet. Keine Zugabe mehr (na gut, nach drei Stunden...).

Noch Tage später, als wir längst wieder in Deutschland sind, schwelgen wir am Telefon mit den Athener Freunden, mit denen wir im Konzert waren, summen die Lieder zusammen und wissen um den großen, unvergesslichen Schatz, den uns die beiden Künstler geschenkt haben. Wir erinnern uns an Marinellas fantastische Stimme und ihre Power. Und wir erinnern uns an die Wärme in Kóstas’ Blick, an seine Bescheidenheit im Auftritt und seine Sensibilität.

Die Konzertreihe ist nach wenigen Tagen so erfolgreich, dass man sie um einen Monat im Pallás verlängert und auf Thessaloniki ausgedehnt hat. Im Sommer 2013 tourten beide dann durch ganz Griechenland...


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