Am Morgen packen wir nach ausgiebigem Schlaf unsere Sachen zusammen und begeben uns samt Gepäck in die Empfangshalle. Ein Frühstück soll es geben, für 6 EUR. Ich erinnere mich an das Hotel in Thessaloníki vom letzten Jahr und dessen gut bestücktes Büffet. Hier jedoch erhalten wir pro Person eine Tasse Kaffee, zwei recht trockene, winzige Scheibchen Weißbrot und je ein kleine abgepackte Marmelade und Butter. Drei Bissen trockener Kuchen runden das Ensemble, das man hier Frühstück nennt, ab. Die Touristen wollten das so, entgegnet uns der baff erstaunte, junge Mann, als wir unserem Unmut Luft machen. Nun ja, was sollen wir uns ärgern. Uns steckt der Besuch der Akropolis und die darauffolgende nächtliche Fährenüberfahrt nach Kreta in der Nase. Immerhin können wir unser Gepäck hier kostenlos deponieren. Mit der Metro geht es für 80 Cent wieder zur Haltestelle Monastiráki. Wie überrascht wir sind, als wir in einem Nebengang ein kleines „Museum“ entdecken. Beim U-Bahn-Ausbau hat man Relikte der alten Besiedlung freigelegt und diese kurzerhand in die Metro-Station integriert. Hinter Absperrungen, aber gut sichtbar, und sogar unter einem eigens angelegten, nach unten durchsichtigen Steg, können wir Mauerreste, Teile der alten Kanalisation und vieles mehr erkennen. An der Wand sind die einzelnen Fundstücke gut erklärt. Klasse gemacht! ![]() ![]() ![]() ![]() In der Nähe der Metrostation befindet sich die antike Agorá mit der imposanten Attalos-Stoá.
![]() Die Agorá war „das Herz des antiken Athen seit dem ausgehenden 6. Jh. v. Chr. Es war ein Ort für politische Diskussionen und Debatten, für Wahlen, religiöse Ereignisse und Handelsaktivitäten, Theateraufführungen und Sportwettbewerbe“. (aus dem Faltblatt des Kulturministeriums „Η αρχαία αγορά της Αθήνας“)
Die Stoá wurde laut Faltblatt ursprünglich von Attalos, König von Pergamon, in den Jahren 159-138 v. Chr. errichtet und mit der finanziellen Unterstützung von John D. Rockefeller Jr. wiederaufgebaut. ![]() ![]() ![]() Die Stoá enthält im überdachten Außenbereich jede Menge Büsten und Steintafeln, die wir uns in Ruhe ansehen. Darüber hinaus gibt es auch einen Wasserspender mit kühlem, erfrischenden Wasser, dessen wir uns gerne bedienen.
Im Innenbereich ist seit 1957 ein kleines Museum untergebracht, um dessen Exponate sich viele Touristen, ja ganze Gruppen drängen. Auch wir quetschen uns hinein, um uns die Fundstücke anzuschauen. Tongefäße, Skulpturen, Münzen und andere Gegenstände aus unterschiedlichen Epochen sind ausgestellt, auch eine kleine Figur aus der Jungsteinzeit. Am besten haben mir die ausdrucksvollen Statuetten gefallen. Beeindruckend jedoch auch die tönernen Zeugnisse eines Scherbengerichts. Auch in der heutigen Zeit wird im Agorá-Gelände Geschichte geschrieben! Am 16. April 2003 wurden hier die Verträge zum Beitritt der zehn neuen EU-Mitgliedsstaaten unterzeichnet. ![]() Nachdem wir uns im überdachten, kühleren Außenbereich der Stoá erfrischt haben, machen wir uns bei mindestens 40 Grad zu einem schweißtreibenden Aufstieg zur Akropolis auf. ![]() Wir wählen den etwas steileren Panathenäenweg. ![]() Die antike Straße ist benannt nach den Festspielen, den Panathenäen, die im vierjährigen Rhythmus zu Ehren der Göttin Athene stattgefunden haben und als deren glanzvoller Höhepunkt eine Prozession der Athener galt, die über diesen Weg hoch zur Akrοpolis führte. Der Párthenonfries beinhaltet Szenen einer solchen Prozession. ![]() ![]() ![]() Es ist windstill. In jedem Schatten halten wir kurz an, trinken von unserem lauwarmen Wasser. Langsam klettern wir weiter bergan und kommen endlich auf dem kleinen Platz an, den wir vom Vorabend kennen, von wo die Stiege zum Areopaghügel abzweigt. Dort gegenüber liegt der Eingang zum Akropolisgelände. Zunächst jedoch ruhen wir uns einmal mehr auf einer Bank im Schatten aus. Fliegende Händler, die uns überall in Athen begegnen, versuchen hier, eisgekühltes Wasser oder chinesische Sonnenschirme an rotgesichtige, ermattete Touristen, die sich die Akropolis bereits angeschaut haben, zu verkaufen. Ein Polizist, der in seinem Auto beim Akropoliseingang wartet, steigt aus und zeigt mal kurz Präsenz. Sogleich sind alle Händler wie vom Erdboden verschwunden, tauchen aber später wieder auf. Nachdem der Akropolisabschnitt von unserem Ticket abgerissen wurde, steigen wir hoch zu den Propyläen, dem großen Eingangsportal, das im rückwärtigen Teil teilweise eingerüstet ist. Majestätisch wirkt der Durchgang, von wo aus man in das eigentliche Akropolisgelände gelangt. ![]() Zu meiner Enttäuschung ist auch der Párthenon zum großen Teil von Gerüsten umgeben. Und doch übt das weltberühmte Kulturdenkmal eine einzigartige Anziehungskraft aus. ![]() ![]() Leider darf das Gebäude nicht betreten werden. Doch auch aus einiger Entfernung ist der berühmte Párthenonfries in Teilen zu sehen. Wahnsinn, diese Kunstfertigkeit! (Ist es bereits die Nachbildung oder tatsächlich noch der echte?). ![]() Hoffen wir, dass die sich in England befindlichen Friesplatten und anderen Kunstgegenstände an Griechenland zurückgegeben werden und einen würdigen Platz im neuen Akropolismuseum finden, das möglicherweise noch in diesem Jahr (2008) eröffnet wird. (Anmerkung: Am 20.06.2009 wurde das Akropolismuseum eröffnet.) Tapfer stapfen wir kreuz und quer über das fast zur Gänze schattenlose Gelände, bewundern im Schweiße unseres Angesichts die monumentale Architektur, machen viele Fotos und entdecken weiter hinten, am Rande der Stadt eine dunkle Rauchsäule, die sich schnell verstärkt. Böse Vorahnungen! ![]() Später kann ich jedoch im Internet keine Nachrichten über einen schlimmeren Brand an diesem Tag entdecken. Ein Glück! Doch bereits einen Tag später bedroht ein Feuer in den Außenbezirken Athens eine Munitionsfabrik! Während unseres Urlaubs und gelegentlichen Blicken in Zeitungen oder auf einen Fernsehbildschirm erleben wir schreckliche Bilder von verheerenden Bränden auf Rhodos und dem Festland! Es fehlen die Worte, die unsere Gefühle dazu beschreiben, insbesondere wenn man an die Hintergründe denkt, die oft erst nachträglich bekannt werden. Auch das ist griechische Realität.
![]() ![]() Einmal mehr genießen wir den Fernblick über das Häusermeer von Athen. Wie winzig die riesigen Säulen des Zeustempels, den wir uns am Vortag angeschaut haben, aus dieser Perspektive wirken! ![]() Blicke auf das Diónysos- und das Herodes-Atticus-Theater lassen mein Herz höher schlagen.
Wie sehr hatte ich gehofft, dass in letzterem ausgerechnet während unserer Anwesenheit ein Konzert stattfinden würde, vorzugsweise von Giórgos Daláras, Pantelís Thalassinós oder Marinélla. Das wäre ein Erlebnis gewesen!! Das klappte natürlich nicht. So hätte es aber sein können: O Ouranós févghi varís Am Ende unseres Rundgangs finden wir wieder einen Wasserspender, bei dem das lauwarme Nass auf Knopfdruck in unerwartet hohem Bogen hinausspritzt. Im Schatten eines Baumes, auf einer Bank, schauen wir den Leuten zu, wie sie sich tief über den Spender beugen, um zu trinken und dabei eine ordentliche Ladung Wasser über Gesicht und Kleidung abbekommen. Jedes Mal Gelächter der Beteiligten. Kleiner Scherz am Rande der ehrwürdigen Gebäude.
![]() ![]() Auf dem weiteren Weg zurück zur Agora beschließen wir, uns trotz der immer noch brütenden Hitze den Hephaistos-Tempel aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert anzuschauen. Langsam wandeln wir auf dem Weg dorthin durch das parkähnliche Areal um das Agrippa-Odeon, einem römischen Theater inmitten des griechischen Agorá-Bezirks, das zunächst für 1000 Zuschauer konzipiert war, nach dem Einsturz des Daches jedoch um die Hälfte reduziert wurde, und bewundern die perfekten Statuen in diesem Areal, wohl wegen ihrer stattlichen Höhe auch Giganten genannt. ![]() Schließlich führt ein Pfad die letzten Meter bergan zum Tempel. Im Schatten kann man es ganz gut aushalten, und so bestaunen wir in Ruhe das kompakt wirkende Gebäude mit den gut erhaltenen Säulen. Einzelne Säulentrommeln haben sich jedoch schon bedenklich verschoben. ![]() ![]() Vom Abstieg in der prallen Sonne schon wieder völlig ermattet schlagen wir trotzdem die Erfrischungen der Straßenhändler aus und setzen uns lieber unterhalb der Anlage in ein Lokal, wo wir pro Frappe 4 EUR bezahlen. Sakra! Gemütlich lassen wir die gewonnenen Eindrücke an uns vorüberziehen, freuen uns über das Erlebte und beschließen, uns auf jeden Fall noch einmal in einem anderen Jahr das antike Gelände anzuschauen. Auch einem Besuch des Akropolismuseums fiebern wir schon entgegen. ![]() Ein Straßenhändler, diesmal ein älterer griechischer Komboloi-Verkäufer, kommt vorbei und preist laut seine Waren an. In der offensichtlichen Annahme, es hier mit ausländischen Touristen zu tun zu haben, spricht er Alex auf Griechisch an: „Hey, du Glatzkopf, wie wäre es mit einem Komboloi?“ Alex Antwort, auch auf Griechisch: „Was soll ich mit einem Komboloi?“ Der Verkäufer, sichtlich überrascht, aber schlagfertig: „Damit du Trost für deine Glatze findest!“ Alex: „Was hast du mit meiner Glatze? Sie ist schön rund und auf jeden Fall schöner als deine!“ Er: „MEINE ist die schönste!“ Um seine Überraschung, dass er es tatsächlich mit einem Griechen zu tun hat, und die Peinlichkeit ebendiesen Griechen mit "Glatzkopf" angesprochen zu haben, zu überspielen, fragt er noch vorsichtshalber, woher Alex denn komme, und man tauscht in Anwesenheit aller Kellner, die im Laufe des lauten Wortwechsels herausgekommen sind und sich schmunzelnd amüsieren, Kleinigkeiten über die jeweilige Herkunft aus, denn auch der Verkäufer ist kein Athener. Am späten Nachmittag holen wir unser Gepäck im Hotel ab und fahren mit der Metro in die Gluthitze von Piräus. Mit der 20.30-Uhr-Fähre möchten wir nach Kreta. |